Kultur : Rückblick: Kabarett

Ulrich Amling

Wie viel machen zwei mal zwei mit Kleinkunstpreisen ausgezeichnete Duos, die zusammen auf der Bühne stehen? Ein Quartett, meinen Sie. In Mathematik kennen Sie sich ja aus - aber mit Kultur haben Sie es wohl nicht so. Seit wann besteht ein Quartett denn aus zwei ersten Geigen und zwei Bratschen! Queen be haben zusammen mit Pigor und Eichhorn alles daran gesetzt, als neu komponiertes Dissonanzen-Quartett in die Musik-Comedy-Literatur einzugehen. Seit 1999 ziehen die Vier konzertierend durch die Republik, um nun in der Bar jeder Vernunft Abschied vom gegenseitigen Schikanieren zu nehmen (noch bis 29.4., Mi-So, 20 Uhr 30). Dabei zeigt sich, dass sich Edda Schnittgard, Ina Müller, Thomas Pigor und Benedikt Eichhorn im Laufe der Zeit irgendwie lieb gewonnen haben müssen. Und was sich nur irgendwie liebt, das neckt sich nicht mehr ganz zu häufig. So richtig mit Wucht hauen sich Frauen-Duo und Herren-Begleiter ihre jeweiligen Auszeichnungen jedenfalls nicht (mehr) um die Ohren, und auch das beliebte Spiel "Eichhorn-Bashing" hat an sarkastischer Magie verloren. Begleiten muss er trotzdem, dann und wann sekundiert von der üppigen Edda. Und "Quartett", diese klassische Königsdisziplin, die vier Solisten mit Teamqualitäten erfordert, schrumpft dabei zur "Liedfolge". Darin reihen sich gut abgehangene Repertoire-Stücke aneinander, bei denen der charmant-penetrante Pigor nicht nur mengenmäßig die Nase vorn hat. Er hat auch eine verlässliche Form für seine ätzend klappernden Zeilen gefunden. Mit dem Heidegger ("der Rastamann unter den Philosophen") gewidmeten Song erklimmt er lässig das Hochgebirge des Nonsens. Da haben die norddeutschen Mädel das Nachsehen. Wird Zeit, dass sie sich endlich verabschieden von den Herrn.

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