Kultur : Rückblick: Kissenschlacht: David Grubbs (Rock)

Volker Lüke

Wer nach Neuem in der Rockmusik fragt, der kommt nicht vorbei an David Grubbs. Seine Umtriebigkeit als Gitarrist, Komponist und Projektinitiator hat ihn nun zu einem gemeinsamen Auftritt mit dem alten Helden und Minimal-Pionier Tony Conrad geführt. Zunächst präsentiert sich Grubbs im Podewil als Singer / Songwriter mit Bossanova-Feeling und eindringlichen Lyrics. Drei Solo-Songs spielt er zur Einleitung, bevor er das Feld räumt für den Geräuschepark von Kevin Drumm und Jerome Noetinger. Bei denen wird es auch fürs Auge interessant: mit analogem Tonband-Scratching, Table-Top-Guitar und dem Zerdrücken von Plastikbechern basteln sie eine Musik, die so munter durcheinander sinuskurvt und musique concrètelt, dass man mit dem Staunen kaum nachkommt. Einen wirkungsvollen Kontrast dazu liefert die Solo-Exkursion Conrads, der das Publikum mit seiner "Dream-Music" in imaginäre Kissen schickt - minimale Variationen auf der Violine, nach indischem Raga-Prinzip gestreckt, inszeniert mit der romantischen Liebe zum ewigen Brummen. Bleibt noch Grubbs Komposition "Act Five, Scene One", die auf einer folkig-rockigen Up-Tempo-Melodie basiert, die ständig wiederholt und mit improvisatorischen Gesten zerlegt wird. Grubbs wechselt dabei von der Gitarre zu Knarz-Elektronik, begleitet vom famosen Dan Brown am Schlagzeug und dem ruhelosen "Kwietschen" eines Tony Conrad. Dem macht es sichtlich Freude, mit seinen jüngeren Kollegen in eine Zwischenwelt voller Zwielicht und Nebel abzutauchen, in denen sich feste Konturen nur erahnen lassen und kein Gedanke an den "richtigen" Song verschwendet wird.

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