Kultur : Rückblick: Klassik: Stierkampf

Uwe Friedrich

Die Nebel über norwegischen Fjorden scheinen von ganz anderer Konsistenz zu sein als die über südlichen Flussniederungen. Ottorino Respighis Naturschilderungen gelingen der italienischen Sopranistin Daniela Bruera bei ihrem Liederabend im Apollosaal deutlich überzeugender als die schwermütigen Lieder Edvard Griegs. Mit großen Linien und geschickt aufgebauten Spannungsbögen entwickelt sie ihr Verständnis der Musik aus dem vokalen Gestus. Ein sehr italienischer Zugang, der gerade bei Respighi nicht nur schöne Effekte macht, sondern gerade die atmosphärisch dichten Naturschilderungen emotional durchdringt. "Nebel", "Nacht" und "Licht" werden so zu spannungsreichen, faszinierenden Seelenbeschreibungen. Begleitet wird sie dabei von dem Hauskorrepetitor Rupert Dussmann, der sich farbenreich, sicher und humorvoll aus dem Dunkel des Probenpianisten hervorspielen kann. Man wünscht sich indessen, dass Daniela Bruera ein rein italienisches Liedprogramm vorgestellt hätte, denn der durch und durch südliche Zugang kommt bei Edvard Griegs düsteren Kompositionen doch recht schnell an Grenzen. Sie zielt mit bewundernswerter Phrasierung direkt ins Herz des Zuhörers und trifft. Dennoch bleiben Vorbehalte, weil mancher Phrasenbeginn auf dem Vokal zu hart ausfällt, vielleicht auch, weil sie diese Lieder doch zu sehr von der musikalischen Linie her gestaltet statt aus der Wortbedeutung. In Fernando Obradors klassischen Liedern kann sie ihre wunderschöne Stimme wiederum von der besten Seite zeigen, zum großen Vergnügen der Künstlerin wie des Publikums.

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