Kultur : Rückblick: Klassik: Vollmilch

Cordula Däuper

Das Sommersemester 2001 beschließt Humboldts Studentische Philharmonie mit einem Konzertprogramm des frühen 20. Jahrhunderts. Große symphonische Werke bieten dem voluminös besetzten Orchester einen weitläufigen, facettenreichen "Spielraum". Mit Franz Schreker und Charles Ives werden zwei Komponisten abseits des alltäglichen Konzertrepertoires vorgestellt. "Der Geburtstag der Infantin" schrieb Schreker 1908 nach einer Novelle von Oscar Wilde. Im gleichen Jahr fand die Uraufführung in Wien als Ballett statt. Und wenn das Werk hier in der Kirche zum Heiligen Kreuz in Kreuzberg auch ohne Szene erklingt, so wird es durch den lautmalerisch spielfreudigen Charakter sehr plastisch und lebendig. Witzige Details der Instrumentation - Triangel- und Glockenspieleinwürfe - treffen auf eindrucksvolle Klangfarben der Streicher, Harfen und des Schlagwerks. Abwechslungsreich entstehen unterschiedliche Stimmungen, wechselt das Orchester zwischen intimen Solopassagen und spätromantischem Übermut im gemeinsamen Zusammenspiel. Spaß macht das den vielen Mitwirkenden und dem Publikum. Was hier unter der Leitung von Dirigentin Kerstin Behnke so gut und emotional funktioniert, verliert sich leider etwas im folgenden Programmpunkt. Die 2. Symphonie von Charles Ives scheint in ihrer vielschichtigen rhythmischen Komplexität zu überforden. Jede einzelne Stimme fordert so viel Konzentration von den Instrumentalisten, dass das gemeinsame Musizieren zu kurz kommt - der Zusammenhang und -klang geht verloren. Trotz fehlender Einheit blickt aber ein spannendes, teils folkloristisch anmutendes Werk des 1954 verstorbenen amerikanischen Komponisten durch. Vielleicht wurde die Symphonie zu wenig geprobt, hat das Orchester bei Schreker doch die Kraft zur Kantabilität bewiesen. Trotzdem: Ein schöner Abschluss vor der Sommerpause.

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