Kultur : Rückblick: Lesung: "Q" wie Kummer

Stephanie Wurster

Wer ist 007? Genau, der Typ, der nie "danke" sagt, wenn ihm Q alias Major Boothroyd mit seinen erfinderischen Appaturen den Arsch rettet. Den Waffenmeister des britischen Geheimdienstes spielte der walisische Schauspieler Desmond Llewelyn, obwohl er nach eigenen Aussagen kaum einen Fernseher bedienen konnte. Trotz seiner Miniauftritte war der Tüftler in jedem James-Bond-Film der wahre Antipode von 007. So widmeten Kultur-, Literatur- und Medienwissenschaftler Llewelyn jetzt einen Abend in der Medienagentur Aroma, der unter dem Titel "Technische Medien bei James Bond" die Apparaturen des Action-Helden analysierten. Im Zusammenschnitt der Q- und Gadget-Szenen, die zur Einstimmung gezeigt wurden, wirkten viele Geräte plötzlich veraltet. Nett und witzig, aber unspektakulär. Mit Pierce Brosnan brach ein neues Zeitalter an - BMW und Nokia statt Aston Martin und no name-Spielereien. 007 kann jetzt sein Auto als Waffe einsetzen, ohne selber drinzusitzen, denn sein Handy funktioniert auch als Fernsteuerung. James Bond braucht heute also nur noch, was alle anderen auch benutzen: Auto und Mobiltelefon. Dabei hatte er immer so schöne Füller! Nur einmal, in "Sag niemals nie" (1983), versagte diese Geheimwaffe und damit indirekt auch dessen Männlichkeit. Die Bondsche Potenz begründet auch den Dauerkonflikt mit dem um Sachlichkeit bemühten Q. Seine Apparate müssen funktionieren, damit der Film stattfinden kann, dabei werden sie zerstört und Q ist sauer.

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