Kultur : Rückblick: Liederabend: Elfentanz

Sybill Mahlke

Wer kennt noch die Dichterinnen Dora Leen, Edith Ronsperger und Mia Holm oder die Lyriker Karl Freiherr von Lemayer, Julius Sturm und Ernst Scherenberg? Das kluge Buch in Sachen Literatur spart sich Auskünfte über die vergessenen Namen. Und doch müssen sie "im jungen Menschenherzen" um die Wende zum 20. Jahrhundert ihre poetische Sendung ausgestrahlt haben, weil sie damals von Franz Schreker mit jungem Menschenherzen vertont worden sind. Schreker-Lieder im Apollo-Saal sind eine kleine feine Einstimmung auf die Oper "Der ferne Klang", die am 21. Oktober Unter den Linden Premiere haben wird. Was die Lyrik angeht, so handelt sie meist von abendstillem oder überschwänglichem Naturgefühl, vom Symbolismus der Jahreszeiten, während die Musik selbst auf der Suche nach dem fernen Klang ist. Auch die frühen Lieder nämlich kommen aus der Idee des Klangs als Ausdruckmittel. "Wie wenn der Wind mit Geisterhand über Harfen streicht", dichtet der Librettist Schreker über jenes Tönen in seiner Oper. Manchmal scheint es, als klängen Glöckchen im Timbre der Sängerin Simone Nold, wenn sie vom erblühenden Land und von verträumten Tagen singt. Für Affektwechsel ("küssen die lachenden Elfen zu - Tod") hat die Interpretin Farben, für die weichen Melodien die Klarheit ihres Soprans. Bei "Mondgeflimmer" oder "Glocken" macht Julien Salemkour am Klavier deutlich, dass sich in den schmeichelnden Akkorden Konstruktion aufdecken lässt. Kombiniert mit Liedern von Debussy, Zemlinsky und Alban Berg heißt das Thema Schreker auch Zeitgenossenschaft. Eine rote Rose als Schnittblume erfährt bei Schreker / Leen eine seltene Elegie: "Hauchst sterbend du die letzten Düfte."

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