Kultur : Rückblick: Literatur: Kraulen

Denise Dismer

Was gehört zu einem ordentlichen Sommerfest? Richtig, Bratwurst mit Grillsoße (für Genießer fleischloser Kost: Gemüsespieße), hausgemachter Kartoffelsalat und kühles Bier. All das gab es in Tanjas Nachtclub und dazu: Kultur für Gourmets. Die Berliner Band Hunde sorgte mit von NDW-Elementen durchsetztem Elektro-Pop für musikalische Unterhaltung. "Wo bist du groß geworden / Wer hat dein Denken dir vererbt", fragte Sänger Andreas 500 mit näselnder Stimme das Publikum in der Trompete. Dazu hüpfte er mit zappelnden Bewegungen unkoordiniert auf der Bühne auf und ab. Tanja Ries präsentiert jeden Sonntag ein Mix-Programm aus meist deutschsprachiger Musik und Literatur (21 Uhr, im August reines Literaturprogramm im Hofgarten). Sie selbst sang, begleitet von ihrer Band, romantische Lieder: "Komm zu mir, du bist nicht allein." Sigrun Casper hingegen gab kleine Lebensweisheiten aus dem Alltag preis, Beobachtungen aus dem Freibad zum Beispiel. Sie philosophierte über Kopfbrustschwimmer, Krauler, Brustschwimmer, Schmetterlingsschwimmer, Rückenschwimmer und quatschende Frauen am Beckenrand. Fazit: "ich denke nicht, ich schwimme", denn: "nachdenken könnte einen aus der Bahn werfen - und den Untergang bedeuten." Zu fortgeschrittener Stunde wurde es dann erotischer: Casper wechselte von den "taillenhohen Schenkeldekolletés" der Badegäste über die Kurzgeschichte "Die Japaner machen es mit Stühlen" zum Prosatext "Der Wind": "Er würzte den Kaffee mit dem Bouquet aus ihrem Mund." Doch bevor die Gedanken der Zuschauer zu weit abschweifen konnten, traten die Hunde wieder auf die Bühne und holten sie mit ihren Megaphonstimmen zurück in die Wirklichkeit.

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