Kultur : Rückblick: Neue Musik: Himmelfahrt

Eckart Schwinger

Während die drei Berliner Opernhäuser noch immer einen Bogen um einige der wichtigsten neuen Namen des musizierenden Theaters schlagen, weisen entdeckungsfreudige Orchester wie das Ensemble Oriol auf Opernkomponisten hin, die anderwärts Furore machen. Helmut Lachenmann sorgt in Hamburg mit seinem ersten Musiktheaterstück "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" für einen Kassenschlager - was bei seiner allbekannten Verweigerungshaltung gegenüber blinden ästhetischen Gewohnheiten einiges bedeutet. Auch Lachenmanns Notturno für kleines Orchester mit Violoncello solo (1966/68) ist alles andere als eine gemütliche, eher eine kafkaesk-abgründige Nachtmusik. Nur die deutliche Nähe zu Pendereckis Streichertechniken lässt das Ganze schon etwas veraltet erscheinen. Mit den schrillen Verfremdungen, den clusterartigen Schichtungen, den irisierenden Geräuschen und dem geheimnisvollen Zurückgehen der insgesamt scharfsinnig strukturierten Musik ins Tonlose gewinnt es einen radikal antikulinarischen Zug. Der Cellovirtuose Lucas Fels erwies sich als artistischer Klangtechniker. Die Serenata Nr. 2 (1957) von Bruno Maderna, einem an der Spree ebenfalls fast unbekannten Opernkomponisten (Hyperionô, Satyriconô), bereitete manchem offensichtlich mehr Hörvergnügen in der reizvollen Verbindung von typisch italienischer Sinnenfreudigkeit und pointillistischer Technik à la Webern. Zumal das Ensemble Oriol und sein mit feurigem Elan agierender Dirigent Peter Rundel im Kammermusiksaal der Philharmonie eine brillante Spiellaune und gestische Präzision an den Tag legten. Auch Mozarts plastisch modellierte Maurerische Trauermusik beeindruckte das munter mitgehende Publikum.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben