Kultur : Rückblick: Neue Musik: Wiedergeburt

Volker Straebel

John Cage prägte die Vorstellung, die Natur durch die Kunst zu spiegeln - "in der Art ihrer Arbeitsweise" und nicht etwa in ihren Erscheinungen. Akio Suzuki folgt dem in seinem musikalischen Schaffen, wenn auch in intuitiv freierer Form und mit der Selbstverständlichkeit eines japanischen Künstlers, dem die zergliedernde Trennung zwischen einzelnen Kunstformen fremd ist. Im Aktionsraum des Hamburger Bahnhofs interpretierte Peter Ablingers Ensemble in ruhiger Konzentration die teils grafisch, teils verbal notierten Partituren Suzukis. In "bambrock" zupften und rieben sie an zwei Klangskulpturen - je neun in einen Betonsockel eingelassenen Bambus-Spalten -, die im vergangenen Jahr für die Galerie Gelbe Musik entstanden sind. Die dunklen, perkussiven Klänge erscheinen absichtslos, in Ruhe aus dem Zufall geboren. Präziser in der kompositorischen Vorlage folgt "kyurukyuttsu", in dem drei Spieler mit feuchten Fingern auf 60 x 60 Zentimeter großen Glastischen reiben. Das polyphone Quietschen und Sirren orientiert sich an unter den Tischen platzierten grafischen Vorlagen, die der Dirigent nach und nach auswechselt und dabei dem Publikum zeigt, was es zuvor hörte. Eröffnet und beschlossen wurde der Zyklus "Ta Yu Ta I" schließlich von zwei Soli Suzukis, dem Umrunden des Publikums - ein Eröffnungsritus - mit einem ins Rauschen changierenden, immer wieder von einer kurzen Wechselnote unterbrochenen Liegeton einer Steinflöte und dem in irrationalen Rhythmen trillernden feinen Klängen einer perkussiv gespielten Glasharmonika. Diese Konzertstücke lassen die großen Meditationsperformances Suzukis ahnen, obwohl sie durch Kürze Zugeständnisse an die Aufführungssituation machen müssen.

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