Kultur : Rückblick: Oper: Orpheus

Felix Losert

Das Theaterhaus Mitte verleugnet seine Vergangenheit als Schule nicht. Und auch Giovanni Pergolesis Intermezzo "Livietta und Tracollo" von 1734 gehört zu den Stücken, der gern Opfer mutiger Dilettanten werden. Wie das andere komische Meisterwerkchen Pergolesis, "La serva padrona", ist es als Pausenfüller einer opera seria entstanden - ein Stück für den kleinen Hunger zwischendurch. Auch wenn das in Neapel uraufgeführte Stück die Leute schon vor 250 Jahren immer öfter aus den Foyers in den Saal zurückzog. Regisseurin Heike Hanefeld wollte mit ihrer Truppe angehender Opernprofis die Geschichte um das Bauernmädchen Livietta und den Dieb Tracollo nicht aktualisieren oder psychologisieren oder die simple Handlung gar zum Sketch aufblasen (wieder vom 11. bis 13. Oktober). Sie setzt den Akzent auf das "Zeitlose" dieser Komik: Verkleidungen, Zauberkunststückchen, ein wenig Tanz und fortwährendes Spiel im Spiel. Das mag manchem hausbacken vorkommen. Aber die Reduktion der Mittel sind dieser Klein-Kunst angemessen. Angesichts der frischen Stimmen von Birgit Wagner und Gero Bublitz, ihrer Textverständlichkeit (es wird auf Deutsch gesungen) und des gut getroffenen Tons der einfachen Melodien Pergolesis bleiben am Ende wenig Wünsche offen. Aufs Wesentliche konzentriert sich auch das Bühnenbild (wie die bunten Kostüme von Friederike Baer): ein Podest mit Vorhang genügt, es ist Himmelbett der Verliebten und zugleich Jahrmarktsbühne ihrer Verstellungen. Das kleine Dresdener Ensemble für Alte Musik "Lodi Musicali" mit Lynn Tabbert am Cembalo fügt dem Werk noch einige Instrumentalstücke Pergolesis und Vivaldis sowie eine Arie von Hasse bei - nicht, um die musikalische Vorsuppe zu strecken, sondern um die Vorgeschichte pantomimisch beleuchten zu können. Eine abendfüllende Oper ist das Intermezzo also nicht, und so stellt sich nach gut einer Stunde die Frage, was denn der Hauptgang des Abends sein könnte - vielleicht eine Pizza beim Italiener um die Ecke?

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