Kultur : Rückblick: Pop: Amazone: Angelique Kidjo im Columbia Fritz

Ulf Lippitz

Vor dem Columbia Fritz hagelt es eine Hiobsbotschaft für alle Nikotin-Jünger. "Bitte beachten Sie, dass das Rauchen während des Konzertes auf Wunsch der Künstlerin verboten ist", brüllt eine burschikose Dame. Das hat seinen Grund: Angelique Kidjo, Amazone der Weltmusik und Königin der Afro-Beats, leidet an Asthma. Später merkt sie an: "Ich habe aber nichts gegen Raucher." Dogmen sind ihr zuwider. In ihrer Musik predigt sie totale Offenheit. Sie verwebt Einflüsse diverser Kontinente zu einem transglobalen Soundtrack. Das ist wohl die einzige Globalisierungstaktik, dem sich das alternativ gestimmte Publikum nicht verweigert. Im Mittelpunkt des Auftritts stehen Anleihen an die lateinamerikanische Musikkultur. Brasilianische Rhythmen ziehen locker-luftig durch die Halle. Kidjos Stimme setzt ein kräftiges Vibrato oben drauf. Zum Glück. Denn einige Songs wirken eher verhalten. Doch die Fans begeistert jede neue Stilfusion. Ob Pop-Funk-Potpourri mit Tra-la-la-Refrain oder Gainsbourg auf Multikulti. "Liebt euch alle ganz doll", ruft sie ihren Jüngern zu. Kidjo zelebriert einfühlsame Balladen mit stimmlicher Brillanz - allein melodisch mangelt es ihr an Feuer und Leidenschaft. Ersteres ist im Vorraum heiss begehrt. Dort stehen alle Raucher und ziehen erleichtert an ihren Glimmstengeln.

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