Kultur : Rückblick: Protest tanzen (Pop)

Roman Rhode

Auf einer Reise durch die USA hatte Fela Kuti erkannt, dass er nicht Jazz spielen musste, um afrikanische Musik zu machen, sondern genau umgekehrt. Daraus entwickelte Kuti Anfang der 70er Jahre den Afro-Beat, der weit über die Grenzen seiner nigerianischen Heimat hinausging: Bläser aus der Tradition des Rhythm & Blues trafen auf afrikanische Perkussion und Highlife-Gitarren, politische Songs legten sich mit den diktatorischen Regimes des Schwarzen Kontinents an und beschworen eine etwas andere USA - die United States of Africa. Nach dem Tod des legendären Afro-Beatniks führt sein Sohn Femi Kuti das väterliche Erbe unbeirrt fort. Im Columbia Fritz, das aus allen Nähten platzt, zeigt er, wie funkig, jazzig und perkussiv sozialer Protest sogar im HipHop-Gewand klingen kann. "Eure Probleme hier", ruft Kuti dem Publikum gleich zu Beginn zu, "sind nichts im Vergleich zu denen in Afrika!" Und er wird nicht müde, die Geißeln rund um den Äquator zu benennen: Robert Mugabe, AIDS oder Korruption. Dagegen wettert Kuti mit Pidgin-Englisch, knarzenden Saxofonen, bellenden Posaunen und dem rollenden Donner seiner Rhythmusgruppe. An den langen Instrumentalpassagen, dem feurigen Call-and-Response hätte wohl auch James Brown seine Freude. Femi Kuti, der mit seiner 14-köpfigen Gruppe The Positive Force und drei Tänzerinnen auftritt, macht aus seinem Protest eine rauschende Party. Zwischendurch schlägt er auch sanfte Töne an. "Irgendwann", haucht er mit lieblicher Stimme ins Mikrofon, "wird Afrika frei und vereint sein." Bis dahin ist es noch ein langer Weg. "Fight to Win" heißt der überzeugte Titel von Kutis neuem Album. Afrikanisches Selbstbewusstsein, das sich wunderbar tanzen lässt.

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