Kultur : Rückblick: Rock

Sasan Niasseri

Als die Manic Street Preachers in Havanna die Premiere ihres neuen Albums "Know your Enemy" feierten, soll Nicky Wire dem Zuschauer Fidel Castro vorab eine Warnung erteilt haben: es könnte laut werden. Der 74-jährige Regent, verschmitzt und krisenfest, habe dem Bassisten darauf entgegnet, dass Musik nicht lauter sein könne als Krieg. Am nächsten Tag musste Castro dann verlegen zugeben: "Das war doch lauter als Krieg!". Vielleicht war das als Lob gemeint. Denn wann hat jemand den Manic Street Preachers zuletzt eine aufrüttelnde Intensität nachgesagt? Die Songs werden schließlich immer netter. Laut aber kann das Trio aus Wales trotzdem sein. So geraten ihre Auftritte, wie der in der ausverkauften Columbiahalle, zu einem durchwachsenen Erlebnis: Die Punksongs früherer Tage, an denen sie aus Gründen der Glaubwürdigkeit weiter festhalten, verstehen sich nicht mit den neueren, hymnenhaften Pop-Melodien. Gibt das garagenhafte "Found that Soul" als Opener noch eine zackige Richtung vor, nimmt bereits das darauf folgende Epos "Motorcycle Emptiness" der Band wieder etwas vom Tempo. So geht es 70 Minuten bis zum Ende des Sets weiter. Auf ein majestätisches "Ready for Drowning" folgt das trashige "Motown Junk". Dabei liegen die Höhepunkte eher in den ruhigen Momenten, wenn Sänger James Dean Bradfield sein Akustik-Set spielt - die oft theatralisch anmutenden Songs zeigen dann eine unprätentiöse Größe. Als die Manic Street Preachers den Abend schließlich mit ihrer Arbeiter-Hymne "A Design for Life" beenden, zeigt sich, dass sie zumindest auf der Bühne den Kampf gegen das Publikum gewinnen: Die bekennenden Sozialisten verweigern wie üblich die Zugabe. Vom Prinzip Angebot und Nachfrage haben sie eben ihr eigenes Verständnis.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben