Kultur : Rückblick: Rock

Volker Lüke

Probealarm im BKA: Glocken läuten, Klingeln bimmeln, Sirenen heulen. Was dann folgt, erinnert an eine Fahrt mit der Geisterbahn: die Bühne in roten Nebel getaucht, bedrohliche Geräusche allenthalben - zum metallischen Sägen von Blech schnauft der sogenannte "Heater", ein eiserner Dinosaurier, der aussieht wie eine Haubitze aus dem 2. Weltkrieg und mit Feuer aus Propangasflaschen einen mächtigen Grummelsound erzeugt. "Industrial Meditation", nennt diese Musik der etwas ältere Herr am Blechbogen in der Bühnenmitte: Bob Rutman, ein seltsamer Kauz und Instrumentenbauer, der bereits vor über 30 Jahren sein "Steel-Cello" erfunden hat. Vor zwei Jahren hat der Wahlberliner aus den USA das Quartet "Mastodon" gegründet, zusammen mit Babian Marias, dem Erfinder des "Heaters", Jeff Funt am "Bow Chime", einer weiteren Stahlsegel-Konstruktion Rutmans sowie Nico Lippolis am Schlagzeug. Für das Konzert zu seinem 70. Geburtstag hat er weitere Gäste ins BKA-Luftschloss geladen: Peer Martini trägt einen Text vor, Neubauten-Gitarrero Alex Hacke schrabbelt mit seiner Slide-Gitarre und die Sängerin Moonsuk Kang bringt ihren operngestählten Krähensopran zum Jubilieren. Ergänzt durch vier weitere Cellisten, die mitmachen beim munteren Blechsägen und gesammelten Kehlkopfpressing: "Oh-Je-Oh-Jooh!" Die Töne vermengen sich zu einer esoterischen Geräuschfahrt, die mit zunehmender Spieldauer neben einem symphonischen Gestaltungswillen leider auch eine gewisse Orientierungslosigkeit offenbart. Schließlich ist Hacke mit dabei, um mitrhythmisch-rituellem Beben und seiner schrill-zackigen Gitarre raubtierhaft um die Ecke zu fetzen.

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