Kultur : Rückblick: Schattenriss: Videokunst

Ruth Ciesinger

In grobkörnigem Schwarz-Weiß versinkt ein amerikanisches Großraumbüro im Chaos, Maskierte übernehmen das Kommando - Aufruf zur Revolution. Obwohl nicht geplant, funktioniert die Verbindung zu New York sofort. Das Musikvideo gibt es schon lange. Aber nachdem die Videoaufnahmen der einstürzenden Wolkenkratzer nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen sind, steht vieles in der Ausstellung Hybrid Video Tracks in einem neuen Zusammenhang. Was im NGBK (Oranienstr. 25, Kreuzberg) als Dokumentation von alternativer Videoarbeit und deren Geschichte angelegt ist, berührt plötzlich das Tagesgeschehen (bis 7.10., tägl. von 12-18.30 Uhr). Nur am Rande geht es um Videoüberwachung. Umso aktueller wirkt ein Band der Frankfurter Gruppe metroZone, das die Auswüchse der Überwachungselektronik persifliert. Neben dem Monitor steht eine Schaufensterpuppe als Karikatur des gläsernen Menschen, eingeschlossen vom Grundriss ihrer Wohnung. Auf solch dramatische Symbolik verzichtet die Ausstellung sonst weitgehend, die Arbeit der Videokünstler steht für sich. Auf zig Bildschirmen flimmern Videos wie das von Majilis, einer indischen Frauenfilm-Gruppe, oder von Paper Tiger TV, selbsternannter Medienwächter aus New York. Ob als Spielfilm, Dokumentation oder Installation, hier machen Menschen Politik. Das wird zwar unkommentiert präsentiert, aber bei verschiedenen Veranstaltungen (Info unter www.hybridvideotracks.org ) zumindest diskutiert.

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