Kultur : Rückblick: Startrampe: Varieté

Sassan Niasseri

Ladies and Gentlemen, we are floating in Space - und das Chamäleon Varieté ist unser Raumschiff. Das Theater in den Hackeschen Höfen eröffnet die Sommersaison mit einem sphärischen Programm: "WeltTraum 2001" handelt von einer Raum-Crew, die durch den Orbit fliegt. Planlos allerdings. Unter der Besatzung befinden sich zwei schlecht austarierte Roboter und vier Stewardessen, die mit ihren Prinz Eisenherz-Frisuren und hautengen Overalls auch der antiken "Raumpatrouille Orion" entsprungen sein könnten, ausserdem ein Bordpilot, der lieber Bass spielt, anstatt das Raumschiff anständig zu navigieren. Der Bordcomputer fängt an, ein Eigenleben zu entwickeln und sich gegen die Crew zu wenden - HAL aus Kubricks "2001" lässt grüßen. Allerlei artistische Fertigkeiten setzt die Besatzung ein, um ihr Überleben zu sichern: Chanson, Jonglage, Seilakrobatik usw. (wieder heute und Sa, 20.30, So 19 Uhr). Die Zuschauer jubeln, wenn eine der Darstellerinnen sich auf ihrem Seil durch die Luft schwingt und dabei - wie themengerecht! - auch die Gesetze der Schwerkraft aufzuheben scheint. Auch der gelenke Breakdance der beiden Robos steckt an. Nur die Bühnendekoration, dominiert von Blinkbirnen und Silberglitzer, erscheint etwas zu gewollt billig. Entscheidend aber ist die früh einsetzende Erkenntnis, dass sich der Trip durch das All als bloße Trick-Parade entpuppt. Was eigentlich ganz entspannend ist. Aber bloß nicht zu weit zurücklehnen! Die unbedarften Raum-Clowns haben für die Zuschauer einige Überraschungen parat.

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