Kultur : Rückblick: Strand: Funk

Johannes Völz

Lenny Kravitz wusste genau, warum er sich Cindy Blackman als Schlagzeugerin ausgesucht hat: Die 41-Jährige kann zaubern. Blackman spielt mit übernatürlichen Kräften, kein Zweifel. Das übliche Aufbauen der Spannung überspringt sie einfach und fegt sofort los. Wirbelt über eine Trommel nach der anderen und zündet in diesem Tosen ihre Snare-Drum-Detonationen. Beinahe fällt das High Hat von der Bühne. Dreadlocks rutschen ihr in die Stirn, der Schweiss strömt, die Falle schnappt zu. "Snap" heisst auch das Stück. Auf ihren Platten bewegt sich Blackman meist in Postbop-Kreisen, verbindet ihre eigenen Stücke mit Jazzstandards. Im A-Trane dagegen klöppelt sie den Rock und Funk (noch einmal heute Abend um 22 Uhr). Genau die passende Grundlage für den Gitarristen David Gilmore, der sich zu M-Base-Zeiten einen Namen machte als einer der wenigen, der Rockeinflüsse mit innovativer Jazzimprovisation zu verschmelzen verstand. Nun schwingt er sich über harmonisch alterierte Motive in die Höhe. Doch bevor das langatmige Gezeter der Ekstase ausbricht, biegt er ab in Richtung Reggae. Das macht diese Band hörenswert: Sie spielt mit der kolossalen Kraft des Hard Rock, schlägt dabei aber laufend Haken. Doch allzu kompliziert darf es auch wieder nicht sein: Als sich Gilmore und der E-Bassist Matt Garrison, Sohn des großen Coltrane-Bassisten Jimmy Garrison, in ihrem Duett der Kammermusik annähern, spricht die Anführerin ein Machtwort. Den zarten Klängen setzt Cindy Blackman nichts als schnöde Triolen entgegen: Eins-zwei-drei, eins-zwei-drei, hämmert sie den Weg frei. Auch nach der Zugabe können die Zuhörer nicht genug davon bekommen. Völlig klar: Cindy Blackman hat sie verhext.

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