Kultur : Rückblick: Theater: Alk und Aufklärung

Nina Peters

In angelsächsischen Theaterstücken ist der Pub ein beliebtes Setting. Menschen trinken, werden gesprächig und der Plot entwickelt sich aus dem Geiste des Alkohols. Der dramatische Höhepunkt ergibt sich aus dem Promillestand. Diese klassische Pub-Dramaturgie bestimmt auch Daragh Carvilles "Language Roulette" bei den Friends of Italian Opera (bis 21.10.). Die sechs Menschen in dem Pub in Belfast, haben sich lange nicht gesehen. Es ist das Jahr 1994, der nordirische Friedensprozess hat begonnen. Joseph, der lange weg war, registriert Veränderungen, weniger Hubschrauber und Militär. Der Konflikt des Stückes ist jedoch privat, nicht politisch. Und die Hauptfrage ist, warum Joseph damals abhaute. Während die Atmosphäre durchgehend angespannt ist, übt sich das Bühnenbild in Gemütlichkeit. Es ist ein Muster an angelsächsischem Theaterrealismus mit holzgetäfelter Theke, Guinnessschild, Tischchen und Toilet-Zeichen (Regie: John Colton). Anna, Tim, Joseph und Colm waren Freunde, hatten eine Theatergruppe und Rituale, die jetzt beschworen werden. Die Stärke des Stückes sind die witzigen Dialoge, die Philipp Rafferty als Colms Mitbewohner eine Glanzrolle bescheren. Ollie ist der Inbegriff des lad, ein Kerl mit loser Klappe, der Lebensqualität in den Einheiten pint und Frauen misst. Colm ist ein Loser, der sein Geschirr mit rosa Gummihandschuhen spült. Anna hat ihn mit Joseph betrogen. Tim musste die Klappe halten, jetzt will er Aufklärung. Verzeihen kann niemand. Kein bisschen Frieden wird es geben, dafür Tränen und Schädelbrummen. Ein very well-made play, etwas larmoyant, aber im Pub führt eben der Alkohol Regie.

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