Kultur : Rückblick: Theater II: Waldgang

Christoph Funke

Menschen im Wald: Suchen, Finden, Verlieren der Paare unter der Magie der Geister. Geheimnisvolle Verzauberung im Immergrün, zwischen Baum und Borke. Aber nicht von Shakespeares "Sommernachtstraum" ist hier die Rede, sondern von Roland Schimmelpfennigs Märchenstück "Aus den Städten in die Wälder, aus den Wäldern in die Städte". Ein Herzog und ein König, auch die prächtige Stadt Athen sind nicht mehr zur Hand, aber brave Leute in einer deutschen Kleinstadt, denen der Alltag auf den Nägeln brennt. Schimmelpfennig erfindet den Wald neu, lässt ihn wachsen gegen Langeweile und Kleinlichkeit. Schimmelpfennig liebt das Geheimnis, die "Luft" zwischen dem Gesagten. In seinem Städte-Wälder-Stück ist es eine geheimnisvolle Telefonleitung, die Verbindung und Verwirrung stiftet, ins Gestern geht und über das Heute bis ins Morgen. Wie spielt man das auf einer so kleinen Bühne wie der des bat-Studiotheaters in der Belforter Straße (4. und 5. Juli, jeweils 20.00 Uhr)? Stadt und Wald, Zimmer und Küche, undurchdringliches Grün und verwandelte Bäume passen tatsächlich auf ein sanft ansteigendes, mit grünem Stoff bespanntes Podest (Ausstattung Jana Feiler). Regisseur Piet Drescher erfindet sich einen Zauber-Ort und baut sich das Stück für diesen Handlungsgrund auch unbarmherzig zurecht. Und das gelingt, weil das Bieder-Alltägliche mit Humor behauptet wird und das mähliche Abgleiten ins Verrückte, Übersinnliche Charme behält. Drescher stuft das Aggressive, Böse in Schimmelpfennigs Waldwelt auf Andeutungen zurück und scheut sich nicht, mit Veit Schubert und Michael Kellner, Studenten der Ernst Busch-Schule, verschmitzt-deftige Komödie ins Spiel zu bringen. Im Ensemble der Jungen fallen Stephanie Leue und Daniel Lommatzsch als ein verschrobenes, rührend naives Hänsel-und-Gretel-Paar auf.

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