Kultur : Rückblick: Theater: Reich werden

Ruth Ciesinger

Der Arme will reich werden, und die Reiche ist unglücklich. Dann leben beide nach dem Kurs "Wie werde ich reich und glücklich?", heiraten und merken, dass zum wirklichen Glück - na was wohl? - die Liebe fehlt. Wie die Revue in der Komödie am Kurfürstendamm weitergeht, liegt auf der Hand (bis 14. Okt., tgl. außer Mo, zumeist 20 Uhr). Aber das lockere Ich-liebe-dich-und-merke-es-nicht, respektive Das-Zimmermädchen-unterbricht-immer-meinen-Heiratsantrag soll auch nicht mehr als auf unterhaltsame Weise zum nächsten Chanson führen. Wenn die reiche Marie vor einer meterlangen Kleiderstange singt, sie wäre so gerne mal glücklich, aber leider ginge das nicht, denn "ich habe schon wieder nichts anzuziehen", merkt man, dass der Autor Felix Joachimson mit Leuten wie Kurt Weill zusammengearbeitet hat. Susanne Eisenkolb schmettert als Marie mit Lust, kann sogar mit Wasser gurgeln und ist überhaupt die stimmliche Perle des Abends. Bei den anderen Schauspielern liegt besonders am Anfang mal ein Halbton zu tief. Aber je weiter die Anleitung zum Reich- und Glücklichsein voranschreitet, umso geschmeidiger werden die Stimmen. Dietmar Wunder, der vom Portier im Anzug bis zum Masseur im adretten Leibchen alles gibt, bekommt als armer Schneider einen extra Applaus. Katzbuckelnd und mit zuckendem Augenlid beschwert er sich über die Leute mit viel Geld, "denn das, was für sie spricht, ist das was mir missfällt". Aber die ganze Sympathie des Publikums gehört Friedrich Schoenfelder. Mit heftigem Applaus wird der 85-Jährige begrüßt. Der will als Autohändler seine Tochter gewinnbringend verheiraten. Und charmiert dabei mit wesentlich jüngeren Damen. So liebenswürdig knorrig, dass man ihm alles verzeiht. Auch einen kurzen Texthänger.

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