Kultur : Rückblick: Theater: Schaukampf

Inka Lehmann

Sechs Verbrecher suchen einen Ausgang. Sie sind Teil einer Fernsehshow, in der die Zuschauer am Ende einem einzigen die Freiheit schenken dürfen. Wie seinerzeit bei der Wahl zwischen Jesus und Barrabas. Der Kitzel der Macht - über fremde(s) Leben. Jetzt hat der dritte Jahrgang Schauspiel der Berliner Universität der Künste aus dem Thema einen gleichermaßen unterhaltsamen wie spannenden Theaterabend gemacht. "Niemand" heißt die Produktion mit dem Untertitel "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?" Das Stück entstand in der Regie von Michael Vogel aus Ideen und Improvisationen. Ein TV-Showmaster (Knut Berger) präsentiert die aus dem Untergrund ins Rampenlicht aufsteigenden "Delinquenten". Die wirken unterschiedlich aggressiv, neurotisch, komisch, rührend. Und sie alle halten glänzend die Balance zwischen Karikatur und realistischer Präzision: Holger Stolz, Franziska Kolbe, Doreen Fietz, Iris Würgler, Lars Löllmann und Melika Foroutan. Schnell durchbrechen sie das Klischee der TV-Show, die Fernsehbühne wird zum Traum- und Alptraumschiff, der Moderator zu einer Mischung aus Steward und Fliegendem Holländer: auf einer Titanic der verborgenen Ängste, Wünsche, Triebe. Die See- und Seelenreise endet nach ein paar Längen vor der Pause im Sturm, aus den Passagieren sind, in einem Epilog, auf einmal (wieder) Kinder geworden. Nun holen sie die Zuschauer auf die Bühne, zum Spiel "Wer hat Anst vorm schwarzen Mann? - Niemand!". Fantasie, Spielwitz und zweieinhalb Stunden starke Präsenz wurden mit viel Beifall belohnt. (Bis 3. 2., tägl. 20 Uhr, außer 28. 1.)

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