Kultur : Rückblick: Theater

Denise Dismer

Die Frau sieht aus wie eine Ganzkörperstrumpfhose. Sie redet von ihrem Hausfrauenglück, hebt dabei den linken Arm und krault sich mit der rechten in der Achselhöhle. Wir befinden uns im "Narrenturm", dem Ende des 18. Jahrhunderts errichteten Wiener Irrenhaus, in dem die Insassen erstmals als Kranke gelten. Die fünf Schauspieler verkörpern in den Sophiensälen (noch heute, 20 Uhr) acht Charaktere, wechseln ständig ihre Rollen: Im rosa Kleidchen und mit der flachen Hand im Mund imitieren sie die schwer verständliche Sprache der Geisteskranken. Jeder erzählt seine eigene Geschichte, lebt in seiner abgeschiedenen, skurrilen Welt. Eingeschlossene sind sie allesamt in diesem Turm, der durch eine hufeisenförmige Bank mit hochgezogener Lehne angedeutet wird. Das österreichische Ensemble für Städtebewohner macht den Wahnsinn fühlbar - weniger durch die teilweise in die Länge gezogenen Monologe als durch die deformierte Sprache und Gestik. Sie ächzen, stöhnen und stoßen Luft aus, kriechen über die Bühne und versinken im Schaumstoff, simulieren eine Niederkunft oder dämmern abwesend vor sich hin.

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