Kultur : Rückblick: Traumpfad

Anna Gepppert

"Das Paradies ist verriegelt", hat Kleist, der Sinnsucher, verkündet. Aber vielleicht ist die Hintertür offen? Ärgerlich nur, dass alle Flüge dorthin - Destination Paradise - gestrichen sind. Unter der Regie von Ralf Räuker haben sich in der Neuköllner Werkstatt der Kulturen sechs Schauspieler, Tänzer, Musiker verschiedenster Nationalität zusammengetan, um sich auf die Suche nach dem Paradies zu machen. Ein hoher Anspruch, zeit- und raumüberwindend: "Theater.Tanz.Musik", so steht es im Programm, "Kleist/Artaud Projekt - Berlin-Bali". Das heißt: balinesischer Tanz von europäischen Tänzern, das klassische Repertoire europäischer Musik, gespielt von einem indonesischen Zwillingspaar mit und an Flügeln, balinesische Percussion wieder von einem Europäer, Textzitate von Artaud und Kleist, nicht genug, auch Goethes Werther wird bemüht, genauso wie das dritte Kapitel des ersten Buches Mose. Wir müssen ja erst einmal aus dem Garten Eden vertrieben werden. Gut gemeint, aber zu viel des Guten. Wer sich dennoch einlässt auf das Zusammenspiel von Theater, Tanz und Musik, von Videoprojektionen und Licht, von Europa und Asien, kann von vielfältigen Assoziationen überrascht werden. Losgelöst von Text, wird mit körpersprachlichen Mitteln die Nähe von Lieben und Hassen, Glück und Trauer, Sehnsucht und Erfüllung gezeigt. Das Projekt ist eine Traumreise, die die Komplexität des menschlichen Daseins fassen möchte. "Wir müssen die Reise um die Welt machen und sehen, ob das Paradies vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist", hoffte Kleist. Wer mitreisen will, kann dies tun, am 21., 22., 23. 11. im Haus der Kulturen der Welt (20 Uhr) oder am 29., 30. 11 und 1. 12. im Theater Brandenburg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben