Kultur : Rückblick: Verschreckt (Theater)

Denise Dismer

Eine Stimme aus dem Off stellt Fragen. Solche, wie sie sich jeder im Laufe seines Lebens stellt: "Hast du Angst vor dem Tod? Wärst du lieber im Himmel oder auf der Erde?" Lieber sei er auf der Erde, antwortet der Mann im Anzug auf der dunklen Bühne, denn dort ist es schöner. Nach den "Gesprächen mit Schizophrenen" von Leo Navratil hat Hildegard Schroedter "Trompete Galgen Feuerstrahl" inszeniert. Dominik Bender stellt diese Ängste und Wünsche, Erinnerungen und Befindlichkeiten verschiedener Patienten dar: Er wirft ungläubige Blicke nach links und rechts, sitzt verloren im Lichtkegel des Scheinwerfers, sieht sich bedrängt von seinem eigenen, überdimensionalen Schatten an der Wand, flattert mit den Armen wie ein riesiger Vogel. Der Schauspieler im Theater Zerbrochene Fenster (bis 4. Mai, mittwochs bis samstags 20 Uhr 30) ist ein winziges Ich in einer riesigen Welt, das versucht, den Sinn seines Daseins zu begreifen: "Ich stelle es mir anders vor - dass man nicht essen braucht und Fußball spielen kann." Doch was macht das Leben aus - das Rauchen? Oder das Trompetenspiel? Bender nimmt beide Hände und trötet ein Solo, das "wie jedes Bläserspiel eine wunderbare Kunst" ist. Am Ende steht er da, die Hände zu Fäusten geballt, die Muskeln verkrampft, der Kopf ein Fremdkörper, wie draufgesetzt auf einen steifen Körper. Das Ein-Mann-Stück will mehr bieten als die Rekonstruktion von Krankheitsbildern. Das ist gelungen, denn es skizziert einen verschreckten und doch hoffnungsvollen Menschen in Extremsituationen: Momente des Zweifels, der Auseinandersetzung mit der Kindheit, des Entwurfs einer Zukunft, der Vorstellung vom Tod.

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