Kultur : Rückblick: Weltmusik: Raunen

Jochen Metzner

Erst die radikale Abkehr von den Erfolgsrezepten weltmusikalischer Pop-Mixturen führte ihn doch noch genau dahin, wo ihn die Plattenbosse zuvor jahrelang vergeblich zu platzieren suchten: an die Spitze der Charts. Nachdem Geoffrey Oryema ab 1990 mit Brian Eno drei vielgepriesene, doch mäßig verkaufte Alben produziert hatte, setzte ihn sein Mayor-Label vor die Tür. Nachdem Oryemas vierte CD "Spirit" dann doch noch erschien, avancierte sie im Jahr 2000 zum erfolgreichsten Album der europäischen Weltmusik-Charts. Mit seinen ganz eigenen Mitteln macht der begnadete Sänger und geniale Klangfarben-Arrangeur auch im HdKdW gerade die vermeintliche Strukturarmut seiner Lieder zum Ereignis. Geoffrey Oryema, in Uganda geboren und heute in Paris zuhause, hat im Exil eine eigene musikalische Metasprache entwickelt, die sich weit vom Pop-Einerlei entfernt hat und auf die spirituellen Urkräfte seines Geburtslandes zurückgreift. Mit guttural raunenden Bass, dann wieder mit berückend schöner Kopfstimme kann Oryema sogar "The Spirits Of My Father" so lebendig werden lassen, dass ihm das Berliner Publikum nächtelang lauschen würde.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben