Kultur : Rückkehr zum Öl

KUNST

Oliver Heilwagen

Es dürfte der unbekannteste Superlativ im hauptstädtischen Kulturbetrieb sein: 161 Jahre besteht der Verein Berliner Künstler bereits. Er ist der älteste Künstlerverein Deutschlands. Dass alt jedoch nicht zugleich ehrwürdig bedeuten muss, beweist die neueste Gruppenausstellung der Vereinigung: Zur Hommage à ... Berlin im Museum Mitte (Palais am Festungsgraben, bis 2. Februar Mi. bis Fr. 13 - 17, Sa. 13 - 20, So. 11 - 17 Uhr) wurden rund 60 Beiträge eingereicht, die so unterschiedlich wie die Biografien der Mitglieder sind. Der kunterbunten Schau lässt sich als Tendenz allenfalls entnehmen, dass sämtliche Strömungen der letzten drei Dekaden an dieser Malerzunft spurlos vorbeigegangen sind. Fotografie, Videos oder Multimediales sucht man vergebens. Das Gros pinselt weiter Ölgemälde, von plakativen Stadtansichten bis zu halbwegs originellen Bildlösungen. Die Bildhauerarbeiten rangieren ebenfalls von konsequent Epigonalem wie Regina Roskodens Terrakotta-Skulpturen im Stile Chillidas bis zu amüsanten Petitessen wie Karl Hillerts „Hommage à lait de Berlin“, einer Bronze in Form von Tetrapaks. Auch die gedrängte Hängung erinnert eher an Salonausstellungen des 19. Jahrhunderts als an die Explosion der Kreativität in der Galerienszene von Mitte. Da mutet gemäßigt Experimentelles wie Vera Krickhahns Installation mit Computergrafik „Berliner Eigenheim“ fast schon avantgardistisch an. Lokalpatrioten kommen aber voll auf ihre Kosten. Denn der Charme der Werke besteht darin, radikal unzeitgemäß und provinziell zu sein. In der zeitgeistsüchtigen Metropole Berlin eine Kunst.

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