Kultur : Rückschau: Auf heißen Kohlen: Hiphop

Sassan Niasseri

Rapper, die aus den USA kommen, können auch gut drauf sein. Einfach nur fit, ohne dieses Gangsta-Getue. Eben so wie Outkast. Allein, wie Andre 3000 und Big Boi sich auf der Bühne anziehen: Sie tragen Cricket-Anzüge und auf dem Kopf ein weißes Latextoupet. Wie modern und gewagt sie doch mit ihrem Outfit sind! Und wie vorbildlich. Vielleicht wurde das HipHop-Duo deshalb von einem Kölner Musikclip-Sender und einem Jeansfabrikanten für ein kleines Promo-Konzert nach Berlin geholt - ins E-Werk, dem schon seit Jahren brachliegenden Industriekomplex, früher der heißeste Techno-Club der Stadt. Aber was soll man von einem Werbegig erwarten, der dazu noch live im Fernsehen übertragen wird? Nun, in erster Linie eine Hundertschaft an Jungs und Mädchen, die vorab gecastet wurden. Ungefährliche, geladene Gäste. Viel Kinderschminke, Sonnenbrillen und Kapuzenpullis. Teenager, die das Fernsehbild zwischen acht und neun Uhr abends nicht verunstalten dürfen. Weshalb auch nur die Hübschesten unter ihnen in den vorderen Innenraum des Saales vorgelassen werden, dorthin, wo die Kameras stehen. Andre 3000 und Big Boi lassen sich von so viel Schönheit nicht irritieren. Eine Stunde ist genug Sendezeit, um die Hits runter zu spielen: "So Fresh, So Clean", "B.O.B." und auch ihr nettestes Stück, eine Ode an die Schwiegermütter, "Miss Jackson". Toll. Und gibt es im Fernsehen eine Werbepause, mucken Outkast auch nicht auf. Dann machen auch sie eine Pause, verziehen sich nach hinten und lassen ihre Live-Gitarristen ran, die allerdings kaum zu hören sind. Schon ist das Konzert vorbei. Draußen vor dem E-Werk unterhalten sich zwei Grundschüler: "Du, der eine von Autkahst hat vorhin etwas zu mir gesagt!" - "Was denn?" - "Na, Masserfakker oder so was." Oh, nein. Kann man noch mal jemand zurückspulen und das herausschneiden?

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