Kultur : Rückschau: Comedy: Kugelschreiberkomik

Denise Dismer

Nun wissen wir es: Keiner der Stars und Sternchen auf den Bühnen dieser Welt kennt seinen Text, doch alle wissen sie sich zu helfen - mit Kugelschreibertattoos. Die sind nämlich verantwortlich für die oftmals bizarr erscheinenden Bewegungen vermeintlicher Vamps. Denn, so wird Elke Czischek nicht müde zu demonstrieren, eigentlich sind alle Verrenkungen nichts weiter als Mittel, die Bühnenangst zu überwinden. Sie dienen dazu, die auf Armen und Beinen der Künstler eintätowierten "Spickzettel" abzulesen. Die Ängste der modernen, neurotischen Großstädterin sind es, die die Comedy-Frau exemplarisch zu überwinden versucht - mit Hilfe der Zuschauer versteht sich. Immerhin stehen die ja in einer Beziehung zur Künstlerin, und über Beziehungen sollte man bekannterweise reden. Ebenso über Flugangst. Hier empfiehlt Czischek ihren Leidensgenossen, sich den worst case (kurz: wc) auszumalen. In diesem Fall eine absolute Katastrophe inklusive versagender Schließmuskeln und sich selbst entkorkender Sektflaschen. Czischek ist geistreich, sie ist witzig und sie versteht es, das Publikum im BKA (noch einmal heute, 20.30 Uhr) in ihren Bann zu ziehen. Und doch: Etwas fehlt ihrer Show, als dass man sie uneingeschränkt empfehlen könnte. Mancher Witz ist schon ein wenig abgegriffen, die Songs passen mitunter nicht so recht zu den Pointen. Trotzdem: Dank Czischek haben wir endlich erfahren, warum das Taillengummi unserer Strumpfhose selbst nach der x-ten Diät noch kneift. Schuld sind die Männer oder besser die mangelnde Elternliebe, unter der diese in ihrer Kindheit gelitten haben. Allerdings fällt der Kugelschreibertätowierten dann auch nichts Besseres ein, als einen Beatles-Song zum Besten zu geben: All you need is love.

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