Kultur : Rückschau: Klassik: Prophetenglanz

Eckart Schwinger

In der fast szenischen Lebendigkeit, mit der Mendelssohns "Elias" in der Philharmonie zur Aufführung gelangte, kam das alttestamentliche Oratorium mit neuer Leuchtkraft herüber. Uwe Gronostay wies mit dem Philharmonischen Chor und den Berliner Symphonikern von Anbeginn an, vom einleitenden, harschen Rezitativ des Propheten, auf den dramatischen Stil, auf die ganze gedrungene musikalische Ausdruckskraft des Spätwerkes von Mendelssohn Bartholdy hin. Der Dirigent zog energisch die Konturen des Oratoriums nach mit packenden Kulminationspunkten, vielen lyrischen, leicht einschmeichelnden Glanznummern. Klassizistische Gleichförmigkeit oder allzu wohlige, sentimentalische Kantabilität konnten da kaum aufkommen, selbst nicht beim Engel-Solo "Sei stille dem Herrn" oder der Elias-Arie "Es ist genug". Gronostay dirigierte dramaturgisch durchdacht, mit musikantischem Brio und gesundem Steigerungsvermögen, so dass Chöre wie "Das Feuer fiel herab!" oder "Weh ihm, er muß sterben!" gehörige Umrissschärfe ausstrahlten. Die empfindsame Ausleuchtung der Mendelssohnschen Musik, die bei aller Bach-Nähe ein ganz eigenes, "romantisches" Kolorit besitzt, kam dabei nicht zu kurz. Der Philharmonische Chor erreichte eine feine, fast schon impressionistische Klangfülle. Auch die Berliner Symphoniker traten mit ebensoviel Prägnanz wie Impulsivität in Aktion. Michaela Kaune (Sopran), Bogna Bartosz (Alt) und Jörg Dürmüller (Tenor) waren die in der Farb- und Ausdrucksintensität gut aufeinander abgestimmten Solisten. Vor allem beeindruckte Klaus Mertens als ein Elias mit tragischen Untertönen und einer geradezu belkantistischen Stimmqualität.

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