• Rückschau: Komponistenkrieg: Puschkins Stück "Mozart und Salieri" am Theater Fürst Oblomov

Kultur : Rückschau: Komponistenkrieg: Puschkins Stück "Mozart und Salieri" am Theater Fürst Oblomov

Juri Ginsburg

Die Idee, Alexander Puschkins Stück "Mozart und Salieri" nicht als Tragödie, sondern als Lustspiel zu inszenieren, hatte Alexander Levit schon Ende der 80er Jahre in Kiew entwickelt, wo er das Theater "Grotesk" leitete. Es kam nicht dazu, "Grotesk" ging ein, Levit emigrierte. Nun verwirklicht er in Berlin, auf der Bühne des Theaters Fürst Oblomov, sein altes Konzept, angepasst an die neuen Bedingungen. Weil in Russland Puschkins "Mozart und Salieri" zur Schullektüre gehört, in Deutschland fast niemand das Stück kennt, lässt Levit zweimal hintereinander spielen: zuerst die klassische, das heißt tragisch-pathetische Variante, dann die heitere, in der beide Komponisten ihre Rollen tauschen und andere überraschende Dinge passieren. So entgeht Mozart dem Giftmord, Salieri verwechselt die Gläser und stirbt, eine blonde Dienerin macht Striptease auf dem Tisch, Gegenstände, die Mozart berührt, spielen Takte aus seiner Musik. Die Legitimation für den willkürlichen Umgang mit der Klassik findet Levit bei Puschkin selbst, in der "Szene aus dem Faust", einem Dialog zwischen Mephisto und dem daseinsmüden Gelehrten, mit der seine Inszenierung beginnt und endet. "Mir ist langweilig. So schaff was die Zerstreuung schafft", bittet der griesgrämige Faust. Damit erweist sich das Mozart-Salieri-Spiel als eine Fantasie des Teufels, tiefsinnig und unterhaltsam zugleich. In der Inszenierung begegnen sich die russische, Nachdruck auf das Emotionale legende Regieschule und deutsche Schauspieltradition, die sich dem Rationalen hingezogen fühlt. Eine überzeugende schauspielerische Leistung (Tilo Werner, Fred Schmidt), ein Strauß geistreicher Regieeffekte, ein keinesfalls archaisch klingender Puschkin.

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