Kultur : Rückschau: Posenclowns: "Love Bite - Biss ins Herz" in der Neuköllner Oper (Musical)

Doris Meierhenrich

Als nach zweieinhalb Stunden Liebeskummersongs, Emanzipationstangos und Partnertauschwalzern plötzlich jemand tot zu Boden sinkt, ist das die glückliche Wendung des Abends. Eine Sterbesekunde lang steht ein Ernst über der Szene der Neuköllner Oper, den die neun Musical-Studenten der HdK in den Stunden zuvor quälend witzig zerfasern und aufs Korn nehmen mussten. mit Ironie verschnürt sind die Versatzstücke des Musicals "Love Bite - Biss ins Herz", das von Liebe handeln soll und nur von der Witzigkeit seiner eigenen Posen- und Zitattechnik spricht. Alles Fernsehen, alles lächerlich, bis ein Schraubenzieher in einer Brust steckt und man endlich einen Anfang spürt, die Konzentration für ein Wort, das von Liebe etwas ahnt. Statt dessen aber brandet der Schlussapplaus auf. Und das ist konsequent, denn ist die Pose erdolcht, kann auch das Musical nicht weiter. (Vorstellungen: 11.-14., 18.-22.7., 20 Uhr). "Love Bite" ist ein Supergipfeltreffen von Doris Day-, Alice Schwarzer- und Penthesileaverschnitten. Je nach Image kämpfen sie naiv, intellektuell oder tierisch maßlos gegen ihre Männer. Biggi (blond, rosa Turnschuhe) hat Boris verlassen, weil der sie geschlagen hat. Käte und Eva nehmen Biggi auf dem Sofa in die Zange und drängen sie zu Scheidung und Klage. Caro verlässt Johannes, weil auch der sie jetzt schlägt und Boris ihr ewige Liebe auf den Hals geknutscht hat. Keine komplex denkenden Menschen treten vor die schräge Kulissenwand, sondern Typen auf Pointenjagd. "Mit Lesbenfotzen rede ich nicht" schreit Boris. "Trau Dich, wehr Dich, gib ihm eins aufs Ei", swingen die Lesben (Text Peter Lund). Die wunderbar tollpatschigen Melodien Wolfgang Böhmers hätten einen Gedanken verdient.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben