• Rückschau: Sturmgeraun: Berliner Barock-Compagney und Sopranistin Ruth Ziesak (Alte Musik) und weitere Berichte

Kultur : Rückschau: Sturmgeraun: Berliner Barock-Compagney und Sopranistin Ruth Ziesak (Alte Musik) und weitere Berichte

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Sophie Charlotte, die erste Königin in Preussen, war wohl eher nicht für das Stadtschloss. Dort, so meinte sie, machten Trompeten, Pauken und Kanonen einen Lärm "dass man glauben könnte, der liebe Gott sei schwerhörig." Wie anders ging es da in ihrer winzigen Residenz Lietzenburg zu (dem späteren Charlottenburg): Da begleitete Hoheit Kantaten, Sonaten und italienische Opern selbst am Cembalo. Doch auch wenn die Königin mehr Geschmack als ihr Gemahl haben mochte - Geld für die Förderung der Musik bekam sie wenig zugestanden. Allein ihrem Charme und ihrem guten Verhältnis zu den Musikern war es zu danken, dass sich durchreisende Größen wie Giuseppe Torelli oder der Händel-Rivale Giovanni Bononcini länger als geplant festhalten liessen. Es ist daher ein feines Programm für die Kammer, mit dem die Berliner Barock-Compagney und die Sopranistin Ruth Ziesak im Musikinstrumenten-Museum das musikalische Preussen von 1701 erstehen lassen. Ruth Ziesak nimmt durch ihre warmen, sehr geschmeidig fließenden Koloraturen ein, nur die Töne in der Höhe scheinen dann und wann noch ein klein wenig unausgeschlafen. Voll der gewohnten energischen Spannung ist dagegen der Cellist Jan Freiheit: jeden Bogenstrich setzt er wie ein Bekenntnis. Mag er die Kollegen auf den beiden Violinen bei den zarteren Passagen der Corelli-Triosonate damit etwas an die Wand spielen, so ist er es doch, der die einleitende Sinfonia zu Attilio Ariostis Kantate "La Rosa" zu einer packenden Sturmschilderung werden lässt. Preussen 2001: Auch wenn sie nicht auf die Pauke schlug, dürfen wir Feierwilligen ihr dankbar sein, der Königin, für das praktische Denkmal, das sie hinterliess: eine kleine, bescheidene aber höchst lebendige musikalische Welt.

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