Kultur : Rüdiger Schaper

Lieblingsbuch

— Rory Stewart:

So weit die Knie tragen. Aus dem Englischen von Giò Waeckerlin Induni, Malik Verlag, 2007,  400 S., 22,90 €.

Kurz nach dem Sturz der Taliban, im Januar 2002, macht sich dieser Mann zu Fuß auf den Weg von Herat nach Kabul. Eine eisige Meditation, ein afghanischer Gewaltmarsch, auf dem die Gefahren (und die Schönheit) der Natur bald alle Politik vergessen lassen. Wer Hape Kerkeling kauft, hat eigentlich Rory Stewart gemeint.

Schnelles Vergnügen

— Joe Boyd:
White Bicycles. Aus dem Englischen von Wolfgang Müller. Kunstmann, München 2007. 360 S., 24,90 €.

Es gab eine Zeit, da war die Rockmusik ein Wunder, das täglich neu erfunden wurde. Zu dieser Zeit war Joe Boyd Produzent, betrieb Clubs, organisierte Tourneen. Pink Floyd hat er mit auf den Weg gebracht, war 1965, beim Dylan-Skandal, in Newport Stagemanager und hätte reich werden können, hätte er nicht eine schwedische Truppe mit vier Buchstaben abgelehnt.

Klassiker

— D. H. Lawrence:
Gesammelte Erzählungen. Diogenes Verlag, Zürich, 1920 Seiten, 49,90 €.

Wenn man vielleicht doch noch einmal etwas lesen möchte über die Hauptwidersprüche dieser Welt –  Natur und Technik, Mann und Frau, Zivilisation und Religion –, kommt nur dieser wild-exzentrische Engländer infrage. Lawrence’ Geschichten strahlen eine unheimliche Ruhe aus, kurz vor der Explosion: der Dauerzustand des modernen Menschen.

Augen- und Ohrenweide

— Ilija Trojanow:
Nomade auf vier Kontinenten. Auf den Spuren von Sir Richard Francis Burton. Eichborn, Frankfurt/M., 350 Seiten, 24, 95 €.

Ein Buch in Schwarz und Grün, der Farbe des Islam. Es atmet Kalligraphie und die Kunst Indiens, Afrikas, Arabiens, jener Welten, die Burton (1821 - 1890) bereiste und erforschte. „Nomade“ ist das Sachbuch zu Trojanows Burton-Roman „Der Weltensammler“ – und noch reicher an Poesie und wunderbaren Schriftbildern.

Zum Schlauwerden

— Adam Hochschild:
Sprengt die Ketten. Aus dem Amerikanischen von Ute Spengler. Klett-Cotta, Stuttgart, 504 Seiten, 26, 50 €.

Zum ersten Mal wird hier die Geschichte des europäischen Wohlstands, der industriellen Revolution und Weltbeherrschung als Geschichte des Sklavenhandels erzählt. Sklaven als Rohstoff für eine neue Ökonomie – und wie einige mutige Engländer, die Abolitionists, den Kampf gegen die Barbarei aufnahmen. Und letztlich gewannen.

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