Kultur : Rüstung: Forum der Unzufriedenen

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Oberfeldwebel Lehmann hatte gerade die Soldaten kennen gelernt, die auf seinem Fernmeldetrupp im Kosovo "Dienst schieben" sollen. Während der folgenden Gespräche muss er feststellen: Die Soldaten sind gar nicht an dem vorhandenen Gerät ausgebildet. Er teilt dies unverzüglich seinem Kompaniechef mit. Dieser befiehlt ihm, die Soldaten sofort auszubilden. Als er anfangen will, steht er schon vor dem nächsten Problem: Das Fernmeldegerät fällt regelmäßig aus. Es ist nicht für die Witterungsverhältnisse im Kosovo gebaut worden. Der Hitze in den Fernmeldekabinen halten die feinfühligen Geräte nicht stand. Wieder unterrichtet er seinem Kompaniechef. Der kennt das Problem schon, denn seine Vorgesetzten hatten sich bereits beschwert: Die Führungsfähigkeit des Verbandes sei gefährdet.

Noch in der Nacht muss Lehmann bei den Sanitätern im Lager in großer Anzahl die so genannten "Rettungsdecken Gold/Silber" abholen. Normalerweise verwenden Rettungsdienste die Decken bei Brandverletzungen oder zur Kühlung. Jetzt werden die Fernmeldekabinen außen mit den Decken beklebt. Man erreicht damit einen Wärmeabfall von bis zu 15 Grad in den Kabinen.

So hat es sich in den ersten Wochen nach der Verlegung deutscher Truppen im Kosovo zugetragen. Solche Details werden während so genannter "Reintegrationsseminare" preisgegeben. Die Bundeswehr führt mit Soldaten, die im Auslandseinsatz waren, diese Seminare durch. Sie werden von Psychologen oder geschulten Moderatoren geleitet.

Die Teilnehmer besprechen ihre zurückliegenden Erfahrungen. Das hat seinen Sinn: Die Gespräche sollen sie für den nächsten Einsatz motivieren. Doch diese Seminare müssen schon längst eine ganz andere Funktion erfüllen. Sie sind eine Art Forum der Unzufriedenen: Die Bundeswehr müsse Satellitenkommunikation von der Telekom mieten, um Einsätze und Ausbildung durchführen zu können, schildert einer. Ein anderer beklagt, die Bundeswehr solle überall mitmischen, kleiner, moderner werden, aber die Politik schaffe die Rahmenbedingungen nicht. Das ist die Realität - von Motivation keine Spur.

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