Kultur : „Ruhmreiches Berliner Ensemble“ Claus Peymann bleibt bis 2009 in Berlin

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Es geht in Berlin auch mal ohne Theaterkrach: Claus Peymann hat seinen Vertrag als Direktor des Berliner Ensembles bis 2009 verlängert. „Noch sind viele Rechnungen offen“, erklärt Peymann in einem Brief an seine Mitarbeiter und unterzeichnet die Mitteilung mit der Parole: „Unser Theater, das ruhmreiche BE, soll leben!“ Viel sei weiterhin zu tun für das politische Theater, schreibt der 68 Jahre alte Theaterchef seinen Leuten ins Stammbuch. Als „Reißzahn im Regierungsviertel“ war er 1999 an den Schiffbauerdamm gekommen. Zuletzt aber hatte er sich an den spröden Texten der Elfriede Jelinek festgebissen. Sein Motto für die nächsten Jahre lautet: „Theaterspielen gegen den Zeitgeist, verbunden durch eine gemeinsame politische und ästhetische Idee.“ Der bevorstehende Regierungswechsel mag dem Altlinken Auftrieb geben.

Kürzlich hatte Peter Zadek, der auch am BE inszeniert, Claus Peymann aufgefordert, ans Wiener Burgtheater zurückzukehren, das dieser vor seiner Intendanz in Berlin dreizehn Jahre lang geleitet hatte. Das war nicht wirklich ernst zu nehmen. Peymann hat sich in Berlin etabliert – mit einem klassischen und gediegenzeitgenössischen Spielplan. Er bedient ein Publikum, das sich an anderen Bühnen nicht mehr heimisch fühlt. Die Spielzeit 2004/2005 schloss das BE mit einer Auslastung von 86 Prozent ab.

Bei seinen Gesprächen mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und Kultursenator Thomas Flierl habe er den Eindruck gewonnen, dass seine Theaterarbeit in der Stadt erwünscht sei, erklärt Claus Peymann. Das dürfte finanzielle Hintergründe haben. Das Berliner Ensemble erhält jährlich 10,5 Millionen Euro Subventionen. Damit aber lasse sich, wie der BE-Chef immer wieder behauptet, ein Theater nach seinen Vorstellungen nicht realisieren. Regelmäßige Zuwendungen aus Lottomitteln waren ihm bei Amtsantritt garantiert und zuletzt reduziert worden. 2006 sollten sie gestrichen werden. Nun aber schöpft Peymann, so seine nebulöse Formulierung, für die Lottomittel, „ohne die wichtige Projekte nicht finanzierbar wären, neue Hoffnung“. Gibt es nun wieder, wie schon zu Peymanns Antritt, Nebenabreden? Da kommt vielleicht doch noch etwas nach. R. S.

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