Kultur : Ruhrfestspiele: Castorf und der Stalinismus

-

Noch eine Schippe drauf. Frank Castorf soll weg, sofort. Und nun fordert der DGB eine Entschuldigung von dem Künstlerischen Leiter der Ruhrfestspiele, dem „aus wichtigen Gründen“ fristlos gekündigt worden ist. Castorf legte gestern in Berlin gewohnt kämpferischunterhaltsam seinen Standpunkt dar. Es fiel das Wort Stalinismus und auch das Wort Boykott. Eine Analyse der ersten Castorf-Saison in Recklinghausen habe es nicht gegeben. Statt dessen habe man nur auf die allerdings schlechten Zuschauerzahlen geschaut und auf das Defizit, dessen Höhe noch nicht feststehe. Castorf fühlt sich an die alten Zeiten in der DDR erinnert, „wie damals in Anklam“. „Mit der DDR oder dem Vorgehen stalinistischer Organisationen lässt sich der DGB nicht vergleichen. Wir erwarten von Castorf umgehend eine Entschuldigung für seine Entgleisung“, hieß es postwendend in einer Erklärung des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Sein Vorgänger Hansgünther Heyme hatte bessere Besucherzahlen, erläuterte Castorf, weil er mit Zirkus und Udo-Lindenberg-Konzerten die Statistik aufgefüllt habe. Er sei gesprächsbereit, wie man das Programm nächstes Jahr komprimieren und besser vermitteln könne: „Ich will meine Verpflichtungen erfüllen.“ Dazu dürfte es nicht kommen. Es wird ein Fall für die Juristen. Castorf lässt sich von dem Berliner Anwalt Peter Raue vertreten. Ruhrtriennale-Chef Gerard Mortier nennt Castorfs Entlassung ein „Armutszeugnis ohnegleichen“. Auch ihm habe man nach der ersten Saison schlechtes Marketing und künstlerische Fehlentscheidungen vorgeworfen. „Hätte der Aufsichtsrat gleichermaßen reagiert, hätte ich das Festival nie zu solch einem Erfolg führen können,“ sagte Mortier, der nun an Jürgen Flimm übergibt. R.S.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben