Rundgang über die Frankfurter Buchmesse : Rockstars mit Büchern

Die Frankfurter Buchmesse ist eröffnet. Ein erster Streifzug zu Rockstars, Rechtsradikalen und Rüschenkleidern.

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Finnischer Pavillon auf der Buchmesse.
Von Sofi Oksanen über Katja Kettu, Rosa Liksom oder Kjell Westö: Finnland setzte in seinem Pavillon seine Literaturstarlets...Foto: dpa

Es ist alles recht überschaubar an diesem ersten Tag der Buchmesse. Zumindest drängen sich noch nicht so viele Menschen in den Gängen insbesondere der Hallen 3 und 4, da lässt sich die eine oder andere Standarchitektur gar in Ruhe betrachten. Beeindruckend ist zum Beispiel der alte englische Doppeldecker-Bus am Stand des Schweizer Kein & Aber Verlags; die Gespräche mit den Verlagsleuten führt man oben im Bus; unten davor liegen die Bücher in Kisten, mitunter neben Äpfeln. Hat was, ist charmant und bezieht sich vermutlich auf einen Romaninhalt.

Weniger charmant wirkt der Stand der rechten Zeitung „Jungen Freiheit“, der traditionell in einer äußersten rechten Ecke der Halle 3.1 aufgebaut ist. Das liegt auch an dem unübersehbaren Spruch an der einen Standseite: „Wo alle einer Meinung sind, wird meistens auch gelogen“, noch mehr aber an dem Schild oben drauf: „PC - nein danke“. Lustig, dass gegenüber die politisch korrekte „Gemeinnützige Respekt kein Platz für Rassismus Gmbh Frankfurt“ ihren Stand hat. Weniger politisch geht es am Bastei-Lübbe-Stand zu. Das riesige Café, das diesen einfasst, wirkt einfach nur einladend – genau wie die Buchgalerie, mit der Rowohlt Verlag in eine seiner Kojen bittet, sie enthält nur Exemplare von Wolfgang Herrndorfs Buch „Bildnis deiner großen Liebe“.

Die Buchmesse gedenkt dem verstorbenen Siegfried Lenz

Noch einmal umgebaut hat der Hoffmann und Campe Verlag seinen Stand nach dem Tod des großen Siegfried Lenz, der dem Hamburger Verlag seit seinem ersten Roman „Es waren Habichte in der Luft“ von 1951 verbunden war. Ohne auch nur einmal gewissermaßen fremdgegangen zu sein. Ein großes Porträt von Lenz hängt vor den eilig nach Frankfurt geschafften Lenz-Ausgaben, und passend daneben stehen die Bücher der 2010 verstorbenen Helmut-Schmidt-Ehefrau Loki.

Bilder von der Frankfurter Buchmesse 2014
Jaron Lanier bei der Verleihung des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.Weitere Bilder anzeigen
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13.10.2014 11:47Zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse wurde der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. In diesem Jahr ging er an...

Bezüglich der vielen kurzen Buch-und Autorenvorstellungen ist jedoch schon am Buchmessenmittwoch Unübersichtlichkeit und Überfülle angesagt. Da bildet sich selbstredend eine Traube am Blauen Sofa, als Ken Follett auftritt; genau wie am „Zeit“-Stand, wo sich Finnlands Literaturstar Sofi Oksanen erstmals die Ehre gibt. Unter ihren Dreadlocks lugt dieses Mal hellrotes Haar hervor, und ihre Blässe betont Oksanen zur Abwechslung mit einem weißen Rüschenkleid und weißbraunen Pumps, dazu trägt sie weiße, fingerfreie Handschuhe. Als „Rockstar“ wird Oksanen von der Moderatorin mehrmals bezeichnet (sie meint wohl „Popstar), was Oksanen aber stoisch hinnimmt, genau wie die Frage nach dem vermeintlichen Trend zu historischen Stoffen in Finnland: Es gebe soviele Autoren und Autorinnen in Finnland, da seien die, die sich mit Finnlands Geschichte beschäftigen wirklich in der Minderheit, so Oksanen.

André Kubiczek, Wolf Haas, Lutz Seiler - alle da

Mit solchen Sätzen im Ohr lässt man sich weitertreiben. Ist das nicht André Kubiczek? Und dort, genau, das muss Wolf Haas sein. Und hier, bei Suhrkamp, klar, Buchpreissieger Lutz Seiler, natürlich mit Mikro vor der Nase, und eine Kamera, die draufhält.

Ach, und am „FAZ“-Stand erklärt Wilhelm Genazino, dass von einer Handlungsarmut seiner Romane nur die Rede sein könne, wenn man das innere Geschehen seiner Helden nicht als Handlung verstehe. Er tue das aber. Im Prinzip, sagt er, würden wir doch alle Kapitalismuskritik üben, diese Art von Kritik sei doch mittlerweile in unseren „Gesellschaftskörper“ eingeflossen. Vom „Glückszwang“ spricht er noch, wenn auf der Zeil immer alle so stolz ihre Tüten herumtragen und sofort, bei entsprechender Bitte, glücksstrahlend den Inhalt herzeigen. „Und dann, nur ein paar Gehminuten entfernt, kann man auf einen herrlich romantischen Friedhof gehen, da sitzen vielleicht zwei Rentnerinnen auf einer Bank, alles ist so schön still. Das ist es doch!“ Ob Genazino ein Rockstar ist? Zumindest seine Sätze, die rocken.

Alle Berichte zur Frankfurter Buchmesse unter www.tagesspiegel.de/frankfurter-buchmesse

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