Kultur : Russische Kunst darf doch nach England Gesetzesänderung soll Museumsstreit beilegen

Der russisch-britische Streit um die Kunstausstellung „Bonjour Russland“ ist beigelegt. Nachdem Großbritanniens Staatssekretär für Kultur am gestrigen Freitag neue legislative Schutzmechanismen für die Schau in Aussicht stellte, erklärte sich die russische Seite bereit, die Ausstellung wie geplant in England zu zeigen. Dies hatten russische Regierungsvertreter zuvor in Frage gestellt, weil die derzeitige britische Gesetzgebung nicht ausreiche, um die Werke vor Rechtsansprüchen ehemaliger Besitzer zu schützen.

Die Schau, die zentrale Werke der russischen und französischen Moderne umfasst, läuft derzeit unter dem Titel „Bonjour Russland“ in Düsseldorf. Am 26. Januar soll sie in der Londoner Royal Academy eröffnen. Viele der rund 120 Bilder aus russischen Museen, darunter Werke von Cézanne, Matisse, Renoir, Picasso, Repin und Malewitsch, werden zum ersten Mal in England zu sehen sein. Die Ausstellung, die von der Royal Academy als wichtigste Kunstschau des Jahres beworben wurde, ist in England für knapp eine Milliarde Pfund versichert.

Offiziell begründet hatte die russische Seite ihren Rückzieher am vergangenen Mittwoch mit der Befürchtung, britische Gerichte könnten Gemälde konfiszieren, falls Erben Besitzansprüche aus vorrevolutionärer Zeit geltend machten. Tatsächlich hatten in der Vergangenheit die Nachkommen zweier von den Bolschewiken enteigneter Kunstsammler erfolglos für die Restituierung einzelner Werke prozessiert. Die entsprechende britische Gesetzgebung hatte ursprünglich im Februar der europäischen angeglichen werden sollen. Die Änderung wird nun vorgezogen.

Beobachter hatten hinter Russlands Rückzieher allerdings eine Fortsetzung der diplomatischen Zerwürfnisse vermutet, die seit dem Polonium-Mord an Alexander Litwinenko in London das Verhältnis beider Länder belasten. Bereits am 13. Dezember hatte die russische Regierung die Schließung zweier Regionalbüros des British Council in St. Petersburg und Jekaterinburg angeordnet – angeblich wegen juristischer Fehler bei der Registrierung der Institute, die die britische Seite trotz entsprechender Aufforderungen nicht korrigiert habe. müh

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