Kultur : Russische Seele

Zur heutigen Herbstauktion bei Lehr in Berlin

Michaela Nolte

Ob das Frühjahrs-Rekordergebnis von knapp 1,5 Millionen Euro erneut erreicht oder gar überschritten wird, bleibt spannend. Insgesamt erscheint die Offerte des Berliner Auktionshauses Lehr herbstlich ruhig; dafür legt der Katalog mit 670 Losnummern quantitativ zu, und für Überraschungen ist die hauseigene Politik der kleinen Preise allemal gut.

So konnte im Vorjahr eine Leinwand des in Frankreich lebenden Exilrussen Oskar Rabin mit 9500 Euro ihren Schätzpreis verzehnfachen. Seine nun eingelieferte „Erinnerung an Russland“ von 1989 kombiniert den Geist Chagalls mit expressionistischem Habitus. Bei geschätzten 12 000 Euro gibt es bereits im Vorfeld diverse Anwärter für die düstere Landschaft, durch die symbolträchtig Fetzen von „Prawda“ und „Le Figaro“ nebst unvermeidlicher Wodkaflasche fliegen.

Ein reizvolles Pendant findet die geballte russische Seele in Anna Kogan. Zeitlebens hielt die 1902 geborene Malewitsch-Schülerin an der gegenstandslosen Kunst fest. Ihre „Suprematistische Komposition“ aus den zwanziger Jahren ist mit einem Schätzpreis von 30 000 Euro das teuerste Objekt.

Das üppige Angebot an Arbeiten auf Papier reicht von Dix, Feininger und Jawlensky (750 bis 8000 Euro) bis in die Gegenwart. Ab 400 Euro gibt es Auflagenwerke von Jörg Immendorff oder Konrad Klapheck. 5500 Euro soll Gerhard Richters übermalter Offsetdruck „Kassel“ bringen, und für 7000 Euro stimmt Richard Hamilton „I’m Dreaming of a Black Christmas“ an.

Auktion ab 13 Uhr im Berlin Excelsior Hotel, Hardenbergstraße 14.

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