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Russland : Theaterregisseur Serebrennikow in Moskau verhaftet

Seit Monaten laufen Ermittlungen gegen den regimekritischen Theaterchef und -regisseur. Jetzt wurde Kirill Serebrennikow in Moskau festgenommen.

Frank Herold
Kirill Serebrennikow, 47, leitet das Gogol-Theater in Moskau.
Kirill Serebrennikow, 47, leitet das Gogol-Theater in Moskau.Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Der russische Theater- und Opernegisseur Kirill Serebrennikow ist am Dienstag wegen „Betrugsverdacht in einem besonderrs schweren Fall“ in St. Petersburg festgenommen worden. Dem Künstler, den die Behörden seit Monaten unter Druck setzen, wird die Unterschlagung von Subventionsgeldern in Höhe von umgerechnet rund einer Million Euro vorgeworfen. Nach russischem Strafrecht drohen ihm damit bis zu zehn Jahre Gefängnis. Ein Richter muss nun entscheiden, ob Serebrennikow bis zum Verfahren in Untersuchungshaft genommen oder unter Hausarrest gestellt wird.
Der weltweit hochgeschätzte Regisseur, der wiederholt kremlkritische Positonen vertreten hat, sollte im Herbst in Stuttgart Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ inszenieren. Das Projekt war ohnehin in Gefahr, da dem Serebrennikow bereits im Mai der Pass entzogen worden war.
Die Vorwürfe, das von Sereberennikow geführte Theaterprojekt „Siebentes Studio“ habe Subventionen für Produktionen kassiert, die es nie gegeben habe, waren bereits im Mai erhoben worden. Gemeinsam mit Mitarbeitern sollte Serebrennikow schon damals verhaftet werden, berichtete der oppositionelle TV-Sender „Doschd“ jetzt. Doch „von oben“ sei die Anweisung gekommen, den Künstler „nicht anzufassen“, weil sich „hochgestellte Beamte und Politiker“ für ihn eingesetzt hätten.
Serebrennikow galt als Zeuge in dem Fall, bis seine Buchhalterin ihn kürzlich belastete. Der Regisseur habe sie angewiesen, die Bilanzen zu fälschen, sagte sie vor Gericht aus. In den Vernehmungen hatte Serebrennikow die Vorwürfe zurückgewiesen. Zahlreiche Presserezensionen würden beweisen, dass es die Inszenierung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ gegeben haben.
Die Zeitung „Kommersant“ berichtete am Dienstag, der Staatsanwalt habe erwidert: „Geschrieben wird viel“. Serebrennikow griff daraufhin zu einer außergewöhnlichen Verteidigung: Er suchte auf Facebook nach Zuschauern, die die Aufführung des Stückes bezeugen könnten. In einem offenen Brief haben sich russische Künstler zudem kürzlich für ihren Kollegen eingesetzt.

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