Kultur : Sachertorte statt vieler Worte

Die Deutsche Opernkonferenz streitet mit Berlins Kultursenator Thomas Flierl in München

Egbert Tholl

Der Spardruck war Thema einer Podiumsdiskussion in der Bayerischen Staatsoper in München zum Abschluss der Tagung der Deutschen Opernkonferenz. Sir Peter Jonas, erfolgsverwöhnter Staatsopernintendant in München und Vorsitzender der Opernkonferenz, referierte die Stimmung als ambivalent: Zum einen sei man froh über die gute Auslastung der Opernhäuser. Zum anderen mache man sich ernsthaft Sorgen, um Frankfurt, um Berlin.

Und damit war man beim Hauptthema der Diskussion, schließlich war der Berliner Kultursenator Thomas Flierl extra in die bayerische Metropole gereist. Jonas, der „eine gewisse Empörung in der Luft“ diagnostizierte, klagte ganz persönlich, also nicht als Vorsitzender der Opernkonferenz, den Berliner Senat wegen der seit Jahren notorisch unsicheren Situation in der hauptstädtischen Kulturszene an – wohlgemerkt nicht den Kultursenator, denn auf den setze man gewisse Hoffnungen.

Flierl wirkte in der Diskussion solange hinlänglich souverän, so lange er im Allgemeinen bleiben konnte. Ja, er wolle den Kulturetat so hoch wie möglich halten, trotz der drückenden Schulden. Ziel sei, die drei Opernhäuser zu erhalten, man müsse Kulturpolitik neu definieren (was er nicht tat), man müsse die besondere Situation der „historisch gewachsenen Bundeshauptstadt“ sehen, das Zusammenwachsen der beiden Stadthälften. Man wolle im Kulturbereich weniger sparen als in anderen Bereichen, man sage Ja zum Solidarpakt, wolle einen „Pakt für die Bühnen“, Planungssicherheit. So weit, so wenig neu, so wenig konkret.

Bevor die Diskussion – dem Leitmotiv Sir Peters folgend, Deutschland könne sich Deutschland bald nicht mehr leisten – in die Weiten des bühnendeutschen Tarifdschungels abwanderte (anwesend waren auch Rolf Bolwin vom Deutschen Bühnenverein und Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung) gab es für Thomas Flierl noch einen unangenehmen Moment zu überstehen: Jonas sah in der Berufung Ioan Holenders einen singulären Affront des Senats gegen Udo Zimmermann, dem Chef der „totgesparten“ Deutschen Oper. Claus Spahn von der „Zeit“ konkretisierte die Vorwürfe auf die Person Flierl und fand das Berliner Publikum zu spießig und zu versessen auf große Namen für die künstlerischen Abenteuer, zu denen Zimmermann, laut Jonas für seine organisatorische Ineffektivität in der Branche bekannt, fähig wäre. Und Flierl sagte dazu nur, dass er Zimmermann respektiere und bedauere, dass dieser sein Programm in Charlottenburg nicht habe durchsetzen können.

Nachbemerkung: Ob Ioan Holender, bekannt für seinen Hang zur eher konservativen Kulinarik, der richtige Mann für Konsolidierungsmaßnahmen ist, darf man anzweifeln – angesichts der Ausführungen von Sir Peter Jonas, der Wiener Staatsopernchef halte seine Gagen unter einer Sachertorte versteckt. Egbert Tholl

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