Kultur : Sachsen-Kabarett im Schlot: Für Brillen beten

Susanna Nieder

Das Weltall. Unendliche Weiten. Ein Volk kreuzt hier durch die Gegend. Die MS Honecker muss wohl die eine oder andere Entwicklung auf dem Mutterplaneten übersehen haben, so emsig referiert ihr Abgesandter über den Fortschritt des sozialistischen Gedankens im Weltraum, den Blick durch die mit Heftpflaster garnierte Brille starr in die Zukunft gerichtet, den geblümten Einkaufsbeutel fest im Griff. Nie klang die sächsische Mundart jaulender. Benedikt "Officer" Eichhorn (vom Kabarett-Duo Pigor und Eichhorn), Michael "Beverly" Sens, Mario "Kasseler" Ecard und Rosa "Kampftbl" Enskat kennen keine Gnade. Eine zum Schreien komische Nummer jagt die andere im rappelvollen Schlot. Das Programm heißt "Die Rückkehr der Blödiritter", die erste Folge gab es vor vier Jahren unter dem Titel "Unendliche Weiten" (wieder am 25. / 26. Januar und 1. / 2. Februar um 21 Uhr im Schlot sowie am 8. / 9. Februar in der Knorre, Knorrpromenade 2). Man weiß gar nicht, über wen man sich am meisten amüsieren soll: Über Sens, dessen Gesichtszüge keine Sekunde stillstehen, oder Ecard, der nie eine Miene verzieht, oder Enskat, die das Doofmäuschen mit dem spitzen Busen ganz entzückend bringt und dann plötzlich richtig rührend wirkt mit dem Lied vom Mann im Mond, der nichts von ihr wollte. Oder Eichhorn, der sich zur allgemeinen Erheiterung oft selbst das Grinsen nicht verbeißen kann. Wenn es heißt, in Berlin könne man in Off-Schuppen ausgezeichnetes Kabarett finden, dann sind genau solche Veranstaltungen gemeint. Alle Akteure sind Profis mit ausgebildeten Stimmen, großer Präsenz und ungeheurem Komiker-Talent. Regie führte Thomas Nicolai, besser als "Der blonde Emil" bekannt.

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