Kultur : Sag Ja zum Haar

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über

Musiker, die respektiert werden wollen

Respekt ist ein knappes Gut. Man wird nicht beleidigt, aber man wird auch nicht beachtet, man wird nicht als ein Mensch angesehen, dessen Anwesenheit etwas zählt, schreibt Richard Sennett in seiner Studie „Respekt im Zeitalter der Ungleichheit“. Nicht nur für die amerikanischen Schwarzen ist sozialer Respekt historisch äußerst knapp. Ob nun in Ralph Ellisons Roman „Invisible Man“ oder in „Acknowledgement“ aus John Coltranes Album „A Love Supreme“, es geht in der afroamerikanischen Kunst, und zwar bis heute, immer wieder um Strategien der Verweigerung und Selbstbehauptung.

Auch die brasilianischen Schwarzen können ein Lied davon singen. Der Sänger, der ihre Situation zum Thema gemacht hat, ist ein von Statur eher kleiner Mann, der als König, Buschmann oder Paradiesvogel verkleidet auftritt und seit seiner ersten CD vor acht Jahren mit subtilen Texten Sozialkritik betreibt. Chico Cesar wurde 1995 bekannt, als sein Hit „A primera vista“ in der Version von Daniela Mercury Titelthema einer brasilianischen Seifenoper wurde. Vorher hatte er Musik studiert und als Musikjournalist gearbeitet. Seine Karriere begann mit acht Jahren, als er in einem Plattenladen jobbte, ein Jahr später Jahr spielte er schon in der Band Super Som Mirim. Heute gehört Cesar zu den bekanntesten Protagonisten der Musica Popular Brasileira. Er verbindet die Sounds des armen brasilianischen Nordens mit HipHop und Reggae und ist offen für karibische und afrikanische Einflüsse. In Deutschland gibt er seit über zehn Jahren Konzerte, gerade trat er beim Montreux Jazz Festival auf.

Das renommierte Sommerfestival, das heute zu Ende geht, hat allerdings nur noch wenig Jazz, dafür von Herbert Grönemeyer bis Radiohead allerlei Pop im Programm. Gerade trat in Montreux auch Cesars Landsmann Joao Gilberto auf, dessen CD „Live at Umbria Jazz“ (EGEAUJ 1004) zu den bislang schönsten Alben des Jahres gehört. Bei den Blue Nites im Tränenpalast singt Chico Cesar am Mittwoch (21 Uhr) Songs von seinem aktuellen Album „Respeitem Meus Cabelos, Brancos!“, der Titel ist eine Aufforderung, – „Weiße, respektiert meine Haare!“ – für mehr Respekt und Würde in den zwischenmenschlichen Beziehungen.

Der im Kongo geborene Sänger Lokua Kanza favorisiert traditionelle Musik und den Mix der Kulturen, wie es ihn ganz besonders in Paris gibt, wo er seit fast 20 Jahren lebt. Seine aktuelle CD „Toyebi Té“ (Wrasse/Universal), bei der einfühlsame Texte und wunderbare Melodien im Vordergrund stehen, ist eine Entdeckung. Kanza spricht von Ehrlichkeit und Frische, der Trick sei, immer bereit zu sein, einen guten Song zu erkennen. Respekt und Rassismus sind auch die Themen des senegalesischen Sängers Ismael Lo , der am Mittwoch im ColumbiaFritz (20.30 Uhr) auftritt. Er wuchs mit den afroamerikanischen Basics von Otis Redding, Wilson Pickett und Etta James auf, die er als Kind im Radio hörte. Ihr Blues ist in seinen Songs bis heute präsent.

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