SAGENHAFTES Frankfurt : Äppelwoi und Brennivin

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Man hatte sich schon Sorgen um die Frankfurter Buchmesse gemacht, als im Sommer die ersten Einladungen der Verlage verschickt wurden. Kiepenheuer & Witsch lud zum 60-jährigen Verlagsjubiläum in die Kulturbrauerei nach Berlin. Und auch die Verlage Aufbau und Ullstein feierten kurz vor der Messe große Feste in Berlin. Sollte Frankfurt jetzt doch das Nachsehen gegenüber Berlin haben, siehe auch Suhrkamp? Sollten die Krise im allgemeinen und die Digitalisierung der Branche im speziellen doch voll durchschlagen und auch Auswirkungen auf die Verlagsempfänge und Buchmessenparties haben?

Tatsächlich steht man am Dienstagabend ein wenig verloren, Phantomschmerzen fühlend vor dem Frankfurter Hof herum, wohl wissend, dass der Berlin Verlag seinen eigentlich schon traditionellen Empfang dieses Jahr hat ausfallen lassen. Über ein Jahrzehnt war dieser Empfang das Entreé für die Messe. Hier konnte man sich warmlaufen und warmsprechen und nicht zuletzt warmtrinken, um anderntags die richtige Betriebstemperatur zu haben. Stattdessen wandert man Richtung Goethe-Haus in die Weinkneipe „Dichtung und Wahrheit“, wo der Klett-Cotta-Verlag zu einem Essen geladen hat und wird sogleich von einem der beiden Verlagsleiter beruhigt. Tom Kraushaar ist in seiner kurzen Rede begeistert von der eigenen Entwicklung, das hätte er ja schon 2010 gesagt, wie gut die Geschäfte gingen. Aber nun müsste er sich doch berichtigen: „Mal abgesehen von den goldenen Herr-der-Ringe-Jahren ist das Jahr 2011 das beste in unserer Verlagsgeschichte“.

Darauf einen Brennivin! Eine Flasche davon lassen Kraushaar und sein Kompagnon Michael Zöllner zu Ehren ihres anwesenden isländischen Autors Hallgrímur Helgason kreisen, und spätestens nach dem zweiten Brennivin-Gläschen weiß man: Es wird wirklich alles gut auf dieser Frankfurter Buchmesse. Zwar verzichtet auch der Dumont-Verlag auf sein Fest, ansonsten ist in der Partyzone fast alles beim Alten. Mittwochs feiern wie üblich Random House und der Rowohlt Verlag, donnerstags S. Fischer und die Frankfurter Verlagsanstalt, und auch der Piper Verlag lädt wieder zu seiner Sause in den Velvet Club. Und selbst der Taxifahrer berichtet von spürbaren Messeauswirkungen, die seien jetzt schon besser als bei der Internationalen Automobilausstellung. Auf die etwas ungläubige Nachfrage, ob das wirklich so sei, bestätigt er: „Doch, doch, die Besucher der Buchmesse haben einfach mehr Geld.“

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