SAISONERÖFFNUNGKonzert und Pathoskonferenz an der Deutschen Oper : Steile Thesen

Uwe Friedrich

Mit ihrer Überwältigungsästhetik setzt die Oper seit der Erfindung im italienischen Frühbarock auf das ganz große Pathos. Wenn sich hundert Orchestermusiker mit dem Tenor ins Zeug legen, entkommt kaum ein Zuhörer den übergroßen Gefühlen. Es soll Fans geben, die eigens zum Weinen ins Opernhaus gehen. Da ist es nur folgerichtig, wenn die krisengeschüttelte Deutsche Oper zum Spielzeitauftakt eine Pathoskonferenz einberuft, denn auch sonst liegt Pathos wieder im Trend. „Wir sind Papst“-Kampagne und WM-Begeisterung scheinen den Deutschen die Angst vor Emotionen genommen zu haben. Der Philosoph Peter Sloterdijk wird ebenso auf dem Podium sitzen wie Regisseur Christoph Schlingensief und Matthias Matussek vom „Spiegel“. Sie alle schrecken vor steilen Thesen nicht zurück und polarisieren gern ihr Publikum.

Zum Auftakt des Aktionstages singt die Mezzosopranistin Ulrike Helzel eine knapp halbstündige Kammeroper von Salvatore Sciarrino. „Infinito Nero“ macht das Publikum mit der Gedankenwelt einer italienischen Mystikerin bekannt. Nachmittags lädt der Profichor der Deutschen Oper Berliner Chöre zum gemeinsamen Singen ein. Damit nicht der ganze Tag von Blut, Schweiß und Tränen bestimmt wird, moderiert abends Wladimir Kaminer das Galakonzert, in dem sich die neuen Ensemblemitglieder unter dem Dirigenten Michail Jurowski (Foto) den Fans des Hauses vorstellen. Oper soll schließlich Spaß machen, und wer könnte das besser vermitteln als ein Quereinsteiger? Uwe Friedrich

Deutsche Oper, Sa 13.10., Pathoskonferenz: ab 13 Uhr (Eintritt frei, Platzkarten nötig), Chorsingen: 16:30 Uhr, Eröffnungskonzert: 20 Uhr, ab 12 €

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben