Sakralmusik : Singen für Jesus

James MacMillans Johannes-Passion erlebte im Konzerthaus mit dem Rundfunkchor und dem RSB unter Simon Halsey ihre deutsche Erstaufführung. Schon nach der ersten Chornummer zur Gefangenname Jesu wird deutlich: Hier ist ein Eklektiker am Werk.

Ulrich Pollmann

Kaum ein namhafter deutscher Komponist schert sich um Sakralmusik. In England ist das anders: Es mag an der großen Chortradition des Inselreichs liegen, jedenfalls komponieren viele seiner zeitgenössischen Komponisten von Harvey bis Taverner für den Herren, und so auch der 50-jährige James MacMillan. Dessen Johannes-Passion erlebte nun im Konzerthaus mit dem Rundfunkchor und dem RSB unter Simon Halsey ihre deutsche Erstaufführung. Schon nach der ersten Chornummer zur Gefangenname Jesu wird deutlich: Hier ist ein Eklektiker am Werk. Allerdings mischt MacMillan seine kompositorische Farbpalette glücklicherweise aus klaren Grundtönen. Vor allem hört man seine Erfahrung und Liebe zum alten, zum einstimmigen gregorianischen Kirchengesang heraus.

Überlagert wird das allerdings von opernhaften, in der Oratorientradition Bachs auf drastische bildliche Ausdeutung ausgerichteten Klängen. Das mag gelegentlich ermüden, aber MacMillan schafft es, einen durchgehenden Duktus sich überlagernder musikalischer Schichten zu schaffen. Wunderbar gelingt ihm das Gespräch zwischen dem Gekreuzigten und seiner Mutter. Hier kommt die Musik zu sich, entwickelt konturierte Weichheit in fein überlagerten Chorpartien. Ob dem Werk allerdings gedient ist, dass ein Tänzer vor dem Orchester in Leidenspose im Sand wühlt und mit Blut übergossen wird, darf bezweifelt werden. Auch will das so gar nicht ins klassizistische Ambiente des Konzerthauses passen. Für eine szenische Untermalung hätte man sich einfach mehr einfallen lassen müssen. Die Musik indes und die herausragende Realisierung von Chor und Orchester erhalten verdienten, lang anhaltenden Applaus. Ulrich Pollmann

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