Salami Aleikum : Naher Osten

Das kleine Lamm Wojtila spielt den Liebeskuppler. Auch sonst geht in der Komödie „Salami Aleikum“ alles bunt und märchenhaft rund: eine Mischung aus Zeichentrick, Bollywood und Puppentheater über eine Liebe in Zeiten nach der Wende.

Christina Tilmann
289330_0_1640422f.jpg
Zusammengeführt von einem Lamm: Eine ostdeutsche Kugelstoßerin und ein scheuer Jüngling mit iranischen Eltern. -Foto: Zorro Film

Das kleine Lamm heißt Wojtila, und geboren ist es in finsterer Nacht, genau auf der Grenze zwischen Polen und Deutschland, unter den wachsamen Augen von zwei Polizisten. Am Ende wird es zwei Liebende zusammenführen, eine ostdeutsche Riesin und einen schmalen, scheuen Jüngling, der iranische Eltern hat, in Köln geboren ist, keinem Tier etwas zuleide tun kann und in seiner Freizeit am liebsten bunte, meterlange Schals strickt, und darein die Ereignisse seines Lebens.

Märchenhaft bunt geht es rund, in der Clash-Culture-Komödie „Salami Aleikum“: Zeichentrick, Bollywood und Puppentheater, eine Mischung aus „Die wunderbare Welt der Amélie“, Michel Gondry und dem Sandmännchen. Das ist zunächst eine Überraschung: Denn Regisseur Ali Samadi Ahadi, der 1985 mit zwölf Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam, hatte zuvor mit dem Dokumentarfilm „Lost Children“ über Kindersoldaten in Norduganda für Aufsehen gesorgt.

Eine Reise in eine stillgelegte Zeit

Nun also eine Komödie. Den tierlieben Mohsen (Navid Akhavan) verschlägt es von Köln nach Ostdeutschland, ins Land der Fremdenhasser, und die Heimat der Kugelstoßerin Anna (Anna Böger), und bald funkt es ganz gewaltig, zwischen abgemagerten Schafen, aufgebockten Autos und stillgelegten Maschinen. Es ist eine Reise in eine ebenso stillgelegte Zeit, denn die DDR ist so Vergangenheit wie das persische Reich, von dem Mohsens Vater träumt, wenn er an Feiertagen die Generalsuniform von damals anlegt. Der Metzger (Michael Niavarani) findet einen Bruder im Geiste in Gastwirt Bergheim (Wolfgang Stumph), der Interessenten immer noch stolz die stillgelegte Fabrik VEB „Textile Freuden“ vorführt und auf chinesische Investoren hofft.

Ostdeutschland im Film: Da läuft gerade, zum 20. Jubiläum des Mauerfalls, eine neue Welle, in der, durchaus mit Sympathie, auf zerstörte Illusionen und aktuelle Depressionen geblickt wird. Gerade erst hatte im TV-Film „Hoffnung für Kummerow“ Henry Hübchen ein ostdeutsches Dorf leidlich zukunftsfit gemacht, nun ist das ebenso fiktive Oberniederwalde an der Reihe. Auch hier Tristesse, wohin man blickt. Die Dörfler, die sich im Gasthof versammeln, pflegen ihre Fremdenfeindlichkeit: „Wir haben nichts gegen Ausländer. Aber man darf auf keinen Fall zu freundlich sein, sonst holen die ihre ganze Sippe nach.“ Die Sippe jedoch, in Form von Familie Taheri, erweist sich als Hoffnungsträger, die Speiseplanumstellung auf persisches Essen wird ein Knüller, und auch der VEB „Textile Freuden“ lässt sich als OrientThemenpark reaktivieren. Am Ende bekommt auch Mohsen seine Anna, Wojtila sei Dank. „Ein Ausländer ist immer noch besser als ein Wessi.“ Salami Aleikum.

- Cinemaxx, Delphi, International, Kino in der Kulturbrauerei, Yorck

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben