• Sallmanns "Deutsche Dienststelle" und der Dokumentarfilm "Mutterliebe" von Ucicky und Menzel

Kultur : Sallmanns "Deutsche Dienststelle" und der Dokumentarfilm "Mutterliebe" von Ucicky und Menzel

Jan Gympel

"Ich arbeite seit zwölf Jahren in der Luftwaffe", meint die Frau. Doch hier geht es nicht etwa um die Karriere von Soldatinnen. Vielmehr ist die Formulierung ein Beispiel dafür, wie sich die Arbeit in der "Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht" auf die dort Tätigen auswirkt: Tag für Tag werden die Mitarbeiter mit der jüngeren deutschen Geschichte konfrontiert, bearbeiten Anfragen nach Dienstzeitbescheinigungen, der Klärung der Staatsangehörigkeit oder dem Verbleib Verschollener.

Der Potsdamer Filmhochschüler Bernhard Sallmann, Jahrgang 1967, der selbst fünfzehn Monate lang in der Deutschen Dienststelle tätig war, hat unter diesem Titel eine stille Dokumentation gedreht, deren Habitus so nüchtern-registrierend ist wie jener der Akten in den Regalkilometern des Reinickendorfer Amtes. Nicht zuletzt am Beispiel einiger Mitarbeiter, die selbst von traumatischen Kriegserlebnisse oder dem Verlust von Verwandten berichten, wird deutlich, welch Verheerungen die Nazis auch über Deutschland gebracht haben und wie wir auch 55 Jahre nach Kriegsende noch immer damit beschäftigt sind, das von ihnen angerichtete Chaos und Leid zu bewältigen. Zusammen mit Sallmanns Dokumentation Menschen am Kanal, einer Reflektion über den Teltowkanal zwischen Neukölln und Treptow, dessen Ostufer bis 1990 Todesstreifen war - und nun bald unter der neuen Autobahn nach Schönefeld verschwinden soll -, läuft "Deutsche Dienststelle" heute und morgen (dann in Anwesenheit Sallmanns) im Babylon-Mitte.

Apropos Zweiter Weltkrieg: 1939, also just im Jahr des Ausbruchs des von den Deutschen angezettelten Krieges, in dem sich die deutschen Mütter in ganz besonderem Maße opferfreudig zu zeigen hatten, wurde Mutterliebe gedreht: ein hyperklebriger Mutterkreuzreklamefilm, in dem Käthe Dorsch eine Witwe spielt - auch dies ja durchaus "zeitgemäß" -, die ihre Kinder als Wäscherin alleine großzuziehen hat und zu deren Glück gar Teile ihres Körpers hergibt, indem sie etwa einem erblindeten Sohn die Hornhaut eines Auges spendet. Im Gegensatz zu anderen Beiträgen aus der UraniaReihe mit Filmen aus der Zeit der Nationalsozialismus kommt dieser Film übrigens nicht aus dem Giftschrank: Das Werk von dem in brauner Propaganda geübten Team Gustav Ucicky (Regie) und Gerhard Menzel (Drehbuch) lief auch schon mal im Zweiten Deutschen Fernsehen, und zwar unkommentiert (heute).

Was Frauen zu leisten hatten, nachdem der Nationalsozialismus überstanden war, zeigt Hans-Dieter Grabes 1968 entstandene Dokumentation Die Trümmerfrauen von Berlin. Als Pendant zu Jürgen Böttchers Martha (zehn Jahre später gedreht, im Osten und auf ein Einzelschicksal konzentriert) ist es mit diesem gemeinsam im Babylon-Mitte zu sehen, am Dienstag in Anwesenheit der beiden Filmemacher, und noch einmal am Mittwoch.Aus der Serie "Delikatessen"

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