Salzburger Dirigentenpreis für Kerem Hasam : Vielversprechender Nachwuchs

Klare Gesten, gutes Timing: Kerem Hasan gewinnt den Salzburger Dirigentenpreis, eine der wichtigsten Auszeichnungen für junge Dirigenten.

Talentiert. Der Dirigent Keram Hasan, geboren 1992 in London.
Talentiert. Der Dirigent Keram Hasan, geboren 1992 in London.Foto: Andreas Kolarik/dpa

„Das Beste, was ich tun konnte, war, so viele Dinge wie möglich auszuprobieren, Risiken und Fehler genauso zu akzeptieren wie die glückliche Entdeckung, die das Wort ‚try‘ impliziert“, schreibt Andrew Norman über sein 2011 uraufgeführtes Orchesterstück. Kerem Hasan hat es in sein Programm aufgenommen, das er im Salzburger Mozarteum dirigiert. Es ist die letzte Runde des „Young Conductors Award“, den die Salzburger Festspiele zusammen mit dem Sponsor Nestlé ausrichten. Normans Werkbeschreibung kann dabei als Motivationshilfe für alle 67 Dirigentinnen und Dirigenten dienen, die sich 2017 um den mit 15 000 Euro dotierten Preis bewarben.

Ein zeitgenössisches Werk ist Pflicht. Bei „Try“ macht Kerem Hasan mit der wachen Camerata Salzburg alles richtig. Den Weg vom offenen Experiment zur definierten musikalischen Form beschreibt der 25-jährige Brite mit klaren Gesten und sehr gutem Timing. Hier agiert jemand, der die Musik genau strukturiert, ohne dabei zu akademisch zu werden.

Sicher liegt es auch an der souveränen Bewältigung von Normans Stück, dass die Jury Hasan den ersten Preis verleiht. „Er weiß, was er will und er hat das nötige Talent – also die besten Voraussetzungen für eine internationale Karriere", sagt der Juryvorsitzende, Dirigent Dennis Russell Davies.

Schon der erste Preisträger hat schnell Karriere gemacht

In den letzten Jahren hat sich der 2010 gegründete Wettbewerb zu einer wichtigen Auszeichnung für jungen Dirigenten entwickelt. Prominenteste Preisträgerin ist Mirga Gražinyte-Tyla, mittlerweile Chefdirigentin des City of Birmingham Symphony Orchestra. Preisträger 2011 war der Lette Ainars Rubikis, der 2018 Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin wird.

Schon der allererste Preisträger David Afkham aus Freiburg, inzwischen Chefdirigent beim Spanischen Nationalorchester in Madrid, hat schnell Karriere gemacht. Wie Afkham studierte Kerem Hasan an der Weimarer Musikhochschule, die sich in den letzten Jahren zur wahren Dirigentenschmiede entwickelt hat. Derzeit holt er sich an der Musikhochschule Zürich bei Johannes Schlaefli den letzten Schliff. Neben dem handwerklich sauberen Dirigat überzeugt Hasan auch durch einen guten Kontakt zum Orchester und seinen klaren musikalischen Zugriff, gerade bei Beethovens 4. Sinfonie.

Im nächsten Jahr kann Hasan zeigen, ob er sich weiterentwickelt hat

Nur die Klangbalance zwischen den Instrumentalgruppen hat der Brite nicht immer ganz im Griff, die dramatischen Tuttipassagen lässt er knallen. Im nächsten Jahr beim Preisträgerkonzert in der Felsenreitschule kann der begabte Dirigent dann zeigen, ob er sich weiterentwickelt hat.

Diese große Bühne nutzt diesmal der letztjährige Preisträger Aziz Shokhakimov (Jahrgang 1988), inzwischen Kapellmeister an der Deutschen Oper am Rhein. Der Usbeke ist kein Stilist, sein Dirigat wirkt eher hemdsärmlig und wenig differenziert. Das musikalische Ergebnis aber ist bestechend, verbindet es doch eine klare Strukturierung mit großer Emotionalität. Prokofiews 5. Symphonie wird da zu ganz großem Kino. Dem Kopfsatz verleiht er Strenge und Freiheit zugleich, im Allegro marcato generiert er mit dem ORF-Radiosymphonieorchester Wien einen federleichten, aber bissigen Neoklassizismus-Sound. Frenetischer Applaus in der Felsenreitschule für einen Hochbegabten, der die Messlatte für Kerem Hasan im nächsten Jahr sehr hoch gelegt hat.

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