Salzburger Festspiele : Meisterstück im Mozartjahr

Ein Festival der Superlative: Das gesamte Bühnenschaffen von Wolfgang Amadeus Mozart wird am Stück in 40 Tagen aufgeführt.

Salzburg - Beim technischen Direktor Klaus Kretschmer laufen bei den Salzburger Festspielen die Fäden zusammen für diesen Kraftakt, der bislang einmalig in der Musikgeschichte ist. Stehen in Salzburg normalerweise fünf bis sechs szenische Opernproduktionen auf dem Spielplan, sind es in diesem Jahr 19. Hinzu kommen das Schauspielprogramm mit 13 weiteren Stücken sowie Dutzende von Konzerten. Am Sonntag wird das Festival eröffnet.

Kretschmer war bei seiner Berufung 1991 einer der jüngsten technischen Theater-Direktoren Europas. Seither sorgt der 45-jährige Wiener zusammen mit mehr als 400 technischen Mitarbeitern dafür, dass bei einem der bedeutendsten Musik- und Theaterfestivals der Welt alles glatt über die Bühne geht.

In diesem Jahr wurden mehr als 500 Künstler engagiert, 24 Orchester und 6 Chöre eingeladen. Dazu kommen 240 Statisten. Insgesamt werden bis Ende August mehr als 4000 Mitwirkende in Salzburg erwartet. Sie werden an 14 Spielstätten vom Großen Festspielhaus bis zu einem Theaterzelt im Volksgarten vor allem Mozarts Musik erklingen lassen. "Die Datenmenge war so groß, dass wir von Word und Excel auf ein spezielles Logistikprogramm für Theater umgestiegen sind. Ohne das wäre die Organisation nicht mehr zu bewältigen", erläutert Kretschmer.

Das Salzburger Festspielareal - ein Ameisenhaufen

Überall vor und hinter den Kulissen sind Sänger, Musiker, Maskenbildner, Techniker auf den Gängen unterwegs. Auf zahllosen Probebühnen wird laufend geübt. Dass es dabei nicht drunter und drüber geht, beruht auf minutiöser Planung, die immer drei Jahre im Voraus beginnt. "Zuerst kenne ich nur das Stück", sagt Kretschmer. "Zwei Jahre vorher bekomme ich den Regisseur dazu. Man muss Fingerspitzengefühl entwickeln, um zu wissen, was die brauchen. Wie groß kann das Bühnenbild sein, wie groß der Lichtaufwand, gibt es Spezialeffekte?" Aus der Erfahrung heraus, wie der jeweilige Regisseur arbeitet, wird ein Arbeitsplan erstellt. "Das beginnt bei Garderobenterminen für Ankleider und Schminkterminen und geht bis hin zu technischen Proben und der Generalprobe", sagt Kretschmer.

Er begeisterte sich von früher Jugend an für die Oper. Mindestens zwei Mal pro Woche besorgte er sich einen Stehplatz für die Wiener Staatsoper. Seine eigene Theaterkarriere begann er als Schlosserlehrling in den Dekorationswerkstätten der Österreichischen Bundestheater in Wien. Nach seiner Meisterprüfung studierte er fünf Jahre an einer Abendschule für Maschinenbau, bevor er 1986 erstmals bei den Salzburger Festspielen anheuerte. 1991 wurde er Technikchef.

Kretschmers Meisterstück

Neben Eigenproduktionen wie Mozarts "Le nozze di figaro" ("Die Hochzeit des Figaro") und "Die Zauberflöte" müssen zahlreiche Gastspiele und Koproduktionen mit Häusern aus ganz Europa unter einen Hut gebracht werden. Requisiten oder ausgefallene Instrumente für Konzerte zeitgenössischer Musik werden aus ganz Europa herangeschafft. Vieles kommt per Lastwagen "just in time", anderes lagert in eigenen Depots. Und wenn alles nichts hilft, gibt es noch das Internet. "Es gibt zum Glück so gut wie nichts, was man nicht über Ebay bekommt", sagt Kretschmer.

Mit den gestiegenen Ansprüchen der Regisseure an die optische Aufbereitung einer Oper ist auch der technische Aufwand viel größer geworden. Für "Lucio Silla" wurde dieses Jahr eine bedruckte Landschaftskulisse in einer Größe von 55 mal 15 Metern hergestellt, die keine sichtbaren Nähte aufweist. Und das Produktionsteam der Mozart-Trilogie "Irrfahrten" bestellte einen funktionstüchtigen Swimmingpool mit Sprungbrett, der in der Inszenierung von Joachim Schlömer eine wichtige Rolle spielt.

Kretschmer arbeitet neben seinem Hauptberuf in Salzburg als Berater in ganz Europa und wirkt immer wieder auch als Bühnenbildner. 2004 entfachte er in der Inszenierung von Henry Purcells "King Arthur" an der Seite von Regisseur Jürgen Flimm ein wahres Feuerwerk der Bühneneffekte mit Bildprojektionen, einem "Zaubersofa" und von Hand betriebenen Fluggeräten. In diesem Jahr lässt ihm die Organisation des Mozart-Projekts allerdings keine Zeit, um selbst in die Bühnen-Trickkiste zu greifen. (tso/ddp)

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